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Ost und West · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. Seite 851 - 852

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
Sterblichkeit und Krankheit bei Juden und Nichtjuden
Date
1903-12-01
Page
Seite 851 - 852 (sequence 2)
Language
German
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&51 Dr. Hugo Hoppe: Sterblichkeit und Krankheiten bei Juden und Nichtjüden. 852 empfohlen werden. Im übrigen sollten als Gegengewicht gegen die vorwiegende Kopfarbeit die körperlichen Uebungen, welche von den Juden (besonders des Ostens) so sehr vernachlässigt worden sind und noch immer nicht gebührend gewürdigt werden, gepflegt werden. Turnen und Sports aller Art, Rudern, Segeln, Reiten, Radeln, Fusssport, Schwimmen, Schlittschuhlaufen, Fechten, Wettspiel u. dergl. sollten die Juden bei ihren heranwachsenden Kindern möglichst befördern und nur Uebertreibungen zu verhüten suchen. So wird die heranwachsende jüdische Jugend ihren Körper stählen und wie der Verkümmerung des Körpers, so auch der nervösen Disposition entgegenarbeiten- Sehr wesentlich würde es dabei sein, wenn die Juden die* stark nervöse Disposition durch Zuführung frischen Blutes paralysieren könnten. Jedenfalls sollten die Juden bei Heiraten in erster Linie statt auf Vermögen auf Gesundheit des andern Teils sehen. Vor allen Dingen sollten nervös belastete Personen nicht in nervöse Familien hineinheiraten, Ehen zwischen erblich beiasteten Blutsverwandten aber sollten geradezu verpönt sein. Da die grössere Widerstandsfähigkeit der Juden vorzugsweise durch ihre Mässigkeit und durch das sittenreine Familienleben bedingt ist, so liegt darin eine Mahnung für die Juden, bei diesen Tugenden zu beharren, eine Mahnung, welche heutzutage um so notwendiger erscheint, als sich zeigt, dass sich bereits die Widerstandsfähigkeit der Juden gegen Krankheiten wie Syphilis, Tuberkulose u. s. w. allmählich vermindert, je weiter man von Osten nach Westen in die Länder kommt, wo die Juden sich der übrigen Bevölkerung mehr oder weniger assimiliert haben und weiter zu assimilieren suchen, indem sie deren Sitten und Lebensweise annehmen. So konnte Billings in Amerika konstatieren, dass die Sterblichkeit unter den Juden entschieden in Zunahme begriffen ist, dass z. B. während die Todesrate unter den eingewanderten (meist östlichen) Juden nur 76,1 auf 100000 beträgt, sie bei den in Amerika geborenen und auferzogenen Kindern derselben schon 91,6 beträgt. Ferner wurde konstatiert, dass ganz in entsprechender Weise auch die Syphilis und der Alkoholismus bei den jüdischen Familien, welche längere Zeit in Amerika leben, entschieden zugenommen hat. Auch bei uns in Deutschland kann es keine Frage sein, dass die Syphilis, wenigstens in den Grossstädten, bei den Juden stark zugenommen hat, woraus sich auch die Häufigkeit der Paralyse bei den Juden in den grossstädtischen Irrenanstalten erklärt. Und was den Alkoholismus betrifft, so kann es dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, dass auch hier bei den Juden eine ganz allmähliche Assimilation an die Trinksitten der Nichtjüden stattgefunden hat und die alte Mässigkeit, besonders wieder in den Grossstädten, im Abnehmen begriffen ist. Und wenn auch die Folgen für die jetzige Generation der Juden noch nicht besonders stark hervortreten — die in den letzten Jahrzehnten erfolgte stärkere Zunahme der Sterbe lichkeit unter den erwachsenen Juden in Preussen ist höchstwahrscheinlich schon darauf zu beziehen —, so kann es doch nicht zweifelhaft sein, dass mit der Ausbreitung und Befestigung der Trinksitten unter den Juden diese Folgen immer deutlicher zu Tage treten müssen. Es liegt darin eine um so grössere Gefahr für das Judentum, als dadurch ihre grössere Disposition und die Neigung zu Geistesstörungen noch wesentlich gesteigert werden muss, da der Alkoholismus einer der wesentlichsten Erzeuger und Förderer von nervösen und geistigen Störungen ist. Wenn die Zeit kommen sollte, wo die Juden hinsichtlich des Alkoholismus den Völkern, unter denen sie wohnen, gleichkommen, so würden die Wirkungen auf das so angreit bare Nervensystem der Juden geradezu furchtbare sein. Es muss dies, wie gesagt, eine ernste Mahnung für die Juden sein. Es giebt ja unzweifelhaft bei den Christen eine Reihe von Vorzügen, in denen die Juden denselben sich zu assimilieren bestrebt sein sollten, die Mässigkeit aber ist eine jüdische Tugend, welcher die Christen nacheifern sollten, anstatt dass jetzt die Juden sich die Trinksitten der Christen anzueignen suchen. Die Mässigkeit hat die Juden im Mittelalter vor dem Untergange bewahrt, sie wären sicher längst vom Erdball verschwunden, wenn zu den tausendfachen Bedrückungen und Verfolgungen noch unmässige Neigungen und sittenloses Leben hinzu gekommen wären. Die unzählige Generationen hindurch geübte, der Enthaltsamkeit beinahe gleichkommende Mässigkeit der Juden und ihr keusches, sittliches Familienleben hat es vorzugsweise bewirkt, dass dieselben auch heutzutage noch die Nichtjüden durch eine grössere Widerstandsfähigkeit und Lebensfähigkeit übertreffen. Mögen die Juden sich diese von den Tugenden der Väter herschreibenden Rassenvorzüge durch eigene Mässigkeit oder noch besser Enthaltsamkeit und durch Sittenreinheit äu erhalten suchen, eingedenk des Goethe'schen Spruches: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen!"

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