Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Osp ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT v FÜR MODERNES JUDENTUM. Herausgegeben unter Mitwirkung von Künstlern, Gelehrten und Schriftstellern von LEO WINZ. Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 12 Dezember 1903 III. Jahrg. An unsere Leser/ Mit varliegendem Hefte schJsessi der dritte Jahrgang unserer Zeitschrift. Titel and Register werden wir dem nächsten {Januar-) Hefte beilegen. Soweit uns nichts Gegenteiliges mitgeteilt wird, werden wir das Abonnement als verlängert betrachten. — Wir bitten unsere Freunde^ uns Ihre Sympathien auch weiterhin zu bewahren und unserer Zeitschrift nach Kräften zu weiterer Verbreitung zu verhelfen. Verlag und Redaktion von „Ost und West". DAS GALIZISCHE HILFSWERK UND DIE MITWIRKUNG DER AUSLÄNDISCHEN GLAUBENSGENOSSEN *) Von Maximilian Paul-Schiff (Wien). (Nachdruck verboten.) Mit dem traurigen Mädchenhandel haben sich bekanntlich schon viele Kongresse beschäftigt, leider mit nur negativem Erfolge, was ebenso bekannt ist. Sicherlich bedarf ein Uebel, das nicht verschwinden will, fortwährender Besprechung und Beobachtung sein Fortbestehen weist ja gerade darauf hin —, die Frage ist nur, ob in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung, bei den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen und angesichts der geltenden gesetzlichen Bestimmungen es auch möglich ist, an eine *) Um eine gründlichere Darlegung, als sie die stereotypen Zeitungsberichte brachten, zu erhalten, hat sich die Redaktion von »Ost und West" an Herrn Paul-Schiff mit der Bitte gewandt, sich über den vom Hilfsverein Deutscher Juden sowie einigen anderen deutschen Korporationen und der Kuitusgemeinde Lemberg einberufenen Kongress über den Mädchenhandel zu äussern. Gleichzeitig ersuchten wir ihn, über seine Demission als Obmann des Galizischen Hilfsvereines in Wien Aufklärarg zu geben. Es handelt sich dabei nicht um eine persönliche Ausrottung dieses Uebels denken zu können. Diese Möglichkeit möchte ich unter den obwaltenden Umständen entschieden verneinen. Ein jeder Handel bedingt drei Faktoren, die Ware, den Käufer und den Verkäufer. Seit Menschengedenken wird ein Angebot vorhandener Ware dorthin erfolgen, wo Nachfrage ist. Die moderne Nationalökonomie, die diesen Grundsatz als veraltet in die Rumpelkammer werfen wollte, müss es erleben, dass gerade jetzt das vervehmte Wort von „Angebot und Nachfrage'4 Gereiztheit, sondern um eine Angelegenheit von allgemeinjüdischer und charakteristischer Bedeutung. Darum begrüssen wir es mit Freuden, dass Herr Schiff — als Präsident der grössten jüdischen Körperschaft in Oesterreich, der „Oesterreich-Israelitischen Union" — bei dieser Gelegenheit ausser dem gestellten, ziemlich begrenzten Thema auch die prinzipielle Einflussnahmeund Mitwirkung ausländischer Korporationen in Oesterreich zum Gegenstand der Erörterung gemacht hat.