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Ost und West · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. Seite 755 - 756

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Berühmte jüdische Weltreisende
Date
1903-11-01
Page
Seite 755 - 756 (sequence 3)
Language
German
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Ibb Dr. Adolph Kohut: Berühmte jüdische Weltreisende. 756 man einen Stapelort für die Spezereien, die von weit her, von Orten des Festlandes wie von den Inseln des Meeres, die rings umher in diesem grossen Meere liegen, herkommen. Es giebt mehr als 1500 solcher Inseln." Ein Weltreisender, aber zugleich Abenteurer, Betrüger und betrogener Betrüger war David Reubeni am Ausgange des Mittelalters, der mehrere Jahre hindurch eine tiefgehende Bewegung in der Judenheit hervorrief. Seiner Abstammung nach ein Deutscher, wie dies schon sein hebräischer Stil verrät, unternahm er weite Reisen nach Palästina, Italien u. s. w. und lenkte im Laufe des 16. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit Europas auf sich, denn er verstand es, überall wo er auftauchte, den Reiz und den Zauber des Geheimnisvollen über seine Person und Absichten zu verbreiten. Wohl im Dienste und Auftrage der Marannen, der zum Christentum gepressten Juden, erschien er beim Papste, in Portugal, in Venedig und bei Kaiser Karl V., um Einfluss und Geld zu gewinnen, überall vorgebend, ein Bruder des jüdischen Königs von Chaibar zu sein. Im Dezember 1522, so erzählte er in Venedig, habe er die Heimat verlassen und sei unter der Maske eines Nachkommen Mohammeds nach Palästina und von da nach Venedig gekommen. Sein Auftrag gehe dahin, durch ein Bündnis mit einem christlichen Könige Waffen und Munition zum Kampfe gegen die Muhamedaner zu erhalten. Vom Papst Clemens VII. wurde er dem Könige von Portugal Joao empfohlen, von dem er im Jahre 1526 sehr' gut aufgenommen wurde. Dieser Monarch sagte ihm 8 Schiffe, 4000 Gewehre und Kanonen zu, entzog ihm aber bald seine Gunst und wies ihn aus seinem Lande aus. 1530 suchte er den Senat von Venedig für seine konfusen Pläne zu interessieren. Als er auch hier abgewiesen wurde, schloss sich ihm der Pseudo-Messias Salomo Mo Ich o an. In Deutschland sollte unserem Weltreisenden sein Schicksal ereilen. Trotz aller Warnungen, nicht nach Regensburg — wo sich Kaiser Karl V. damals anlässlich des Reichstages aufhielt — zu kommen und nicht zu versuchen, den Monarchen für seine wahnwitzigen Projekte zu gewinnen, liess er sich dennoch von diesem unüberlegten Schritt nicht abhalten. Es gelang ihm und Molcho zwar, eine Audienz bei dem Kaiser zu erwirken, aber dieser liess sie beide gefangen nehmen und gefesselt nach Mantua bringen, wo ein Glaubensgericht Molcho zum Tode verurteilte» während David Reubeni mehrere Jahre später in einem spanischen Inquisitionskerker starb. Dieser Weltreisende und Abenteurer liebte es, wie auch sein von Graetz veröffentlichtes Reise-Tagebuch beweist, immer die Rolle des Fürsten zu spielen. Es heisst z. B. in seiner Beschreibung der Reise nach Aegypten u. a.: „Ich, David, Sohn des Königs Salomo und Bruder des Königs Joseph, der älter ist als ich und das Reich in der Landschaft Chaibar beherrscht und über die Söhne Gad, Rüben und den halben Stamm Manasse regiert, — ich zog fort von dem Könige, meinem Bruder, und seinen Räten, den 70 Aeltesten, die mir befohlen haben, zuerst - nach Rom zum Papste, sein Glanz werde erhöht, zu gehen" etc. Der neuen Zeit gehören bereits an die Weltreisenden R. Tobia ha-Cohen, Samuel Ro manelli, R,Pineas Eliahu ben Me'ir Wilna. Der Erstere, der auf den Universitäten zu Frankfurt a. O. und in Padua studierte und in der Türkei praktizierte, umschiffte einen grossen Teil Europas und Asiens und legte seine Beobachtungen in dem Buche „Maasse Tobia" — gedruckt 1707 in Venedig — nieder. Er beschreibt dort auch China, Land und Leute, Sitten, Einrichtungen und Gebräuche; er kennt bereits die Chinarinde, die Chinawurzel, sowie sonstige Medizinalpflanzen. Der zweite hat ein sehr geistreiches Buch über Marokko, unter dem Titel „Reise in Magrel", in hebräischer Sprache geschrieben. Er besitzt auch Humor, der sich namentlich in seinen drastischen Schilderungen der Sitten und Gebräuche der arabischen Harems bekundet, Hier nur ein Pröbchen: „Mann und Frau, Juden und Nicht-Juden, lassen, sobald sie ein fremdes Haus betreten, ihre Schuhe vor der Tür. Wenn der Araber nach Hause kommt und Frauenschuhe vor der Tür findet, bleibt er, der Hausherr, draussen. So ereignet es sich wohl, dass eine Frau oder ein Mädchen mit einem Manne eine Zusammenkunft vereinbart; da zieht dieser Mann Frauenkleider an, bedeckt sein Gesicht, lässt die Weiberschuhe vor der Türe und kommt zum Stelldichein. Kommt der Ehemann heim, so wartet er an der Tür, bis der Liebhaber fort geht. Dieser geht an ihm vorüber, ohne dass der Gatte es wagt, ihn zu fragen, wer bist du * und wohin gehst du?* Der letztere hat seine Reisebeschreibungen in einem Werke, betitelt: „Sefer Habrith" (Buch des Bundes) veröffentlicht. (Brünn 1795.) Für die geographischen Wissenschaften ist es bezeichnend, dass in diesem Buche das Kopernikanische System wohl nicht mehr als Ketzerei, aber noch als Irrtum bezeichnet wird. Der Verfasser beschäftigt sich auch viel mit der Nord- und Ostsee. So sagt er einmal: „Es gibt sehr grosse Seen, wie in Preussen der See, der das frische Half genannt wird, dessen Länge zwölf und dessen breite drei Meilen beträgt. Er ist bei der Festung Pillau. Ein eben solcher See ist in derselben Provinz, das Kurische Haff, der 13 Meilen lang und 6 Meilen breit ist, bei der Festung Memel."

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