Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. None

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Date
1903-11-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2583875-2583904-2583916--03351-2587881
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

UST™SKte ST7 ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT v FÜR MODERNES JUDENTUM. Herausgegeben unter Mitwirkung von Künstlern, Gelehrten und von LEO WINZ. Schriftstellern Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 11 November 1903 III. Jahrg. BETRACHTUNGEN ZUR OST-AFRIKA-FRAGE DES SECHSTEN ZIONISTEN-CONGRESSES. Von Berthold Feiwel.*) Wahrhaftig, ich möchte gerne der andere Berichterstatter sein. Er wird erzählen, wie gross und gut und schön alles auf unserem sechsten Kongresse gewesen ist. Dass wir ein ernster politischer Faktor, der anerkannte Vertreter des jüdischen Volkes, geworden sind. Dass wir zum erstenmal seit achtzehnhundert Jahren Land unter den Füssen spüren. Zwar, es ist nicht Zion. Aber eine Erziehungsstätte für Zion ist es. Und wir sind damit auch nicht um Haaresbreite von unserem Zionismus abgewichen, beileibe nicht. Denn erstens haben wir vorerst nur beschlossen, das uns zur autonomen Besiedelung angebotene Gebiet von Britiscji-Ost-Afrika von einer Expediton erforschen zu lassen. Und auch wenn wir's besiedeln, so gehört das - ganz und gar hinein in unser gutes altes Baseler Programm. Und da ergibt sich dem Berichterstatter der willkommene Anlass — wenn er bereits die andersdenkende zionistische Minderheit, die „Opposition", mit ein paar freundlichen und unfreundlichen Worten bedacht hat — mit einer Apotheose des Zionismus und seiner Personen zu schliessen. Im Geiste lese ich schon solchen Bericht, und wahrhaftig, ich möchte auch so schreiben wollen. Ich sage das durchaus nicht spöttisch. Wir könnten ja so sehr zufrieden sein, wenn wirklich alles so gut und gross wäre und wenn der stets gefällige Berichterstatter der Mehrheit, der es ohnehin so bequem und so gut hat, sich nicht die Sache in einem Augenblicke zu leicht machte, wo man ihm solch einen harmlosen Optimismus nicht durchgehen lassen darf. Denn das ist die Wahrheit: Wir haben jetzt einen sehr schweren Austrag im Zionismus. Wir haben ihn auf dem Kongress vor aller Oeffentlichkeit begonnen und wir müssen ihn jetzt vor der Oeffentlichkeit fortsetzen — schon weil zu seiner Entscheidung das „Volksurteil" angerufen werden soll. Und da wird es uns nur nützlich sein, innerhalb der Grenzen, die uns unsere Einheit setzt — gerade um der jetzt gefährdeten Einheit willen — so klar und so entschieden zu sprechen, als der Freimut ehrlich Ueberzeugter es erfordert. Und dabei, glaube ich, dürfen wir es auch ruhig verschmähen, nach rechts oder links zu blinzeln, was unsere Gegner dazu sagen. Nicht um ihretwillen sind wir da. * * * Manche von uns glauben — und es wird sich vielleicht bald zeigen, ob sie sehr im Unrecht waren —, dass wir uns jetzt noch immer in den Zeiten eines Prae-Zionismus befinden. DerProzess des Auferstehens des jüdischen Volkes, der sich im Zionismus verdichten soll, bedeutet ihnen im Grunde nichts anderes als das siegreiche Ringen historischer Einheitskräfte mit gleichfalls geschichtlich gewordenen Golus-Hemmnissen. Und weil *) Die Darlegungen dieses Artikels wollen das Problem der Ost Afrika-Frage, der wichtigsten, allerdings nicht der einzigen wichtigen des Congresses, durchaus nicht erschöpfen. Es sollen nur Bemerkungen sein — schon weil sich die Frage von Grund aus . nur im Zusammenhang mit anderen Fragen des Congresses besprechen lässt Deswegen sind in der obigen Darstellung viele Lücken geblieben, und das Projekt selbst ist nur von ein paar Seiten betrachtet worden. Ebenso habe ich unterlassen, über die verschiedenen Möglichkeiten der gegenwärtigen Arbeit für und in Palästina zu sprechen. Die Ergänzungen soll eine kleine Schrift über den sechsten Congress bringen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.