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Ost und West · 1903-09-01 · Heft 9 (September 1903) · p. Seite 647 - 648

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 9 (September 1903)
Article
[Auf Anordnung des Präsidenten Roousevelt] [Nachricht]
Date
1903-09-01
Page
Seite 647 - 648 (sequence 1)
Language
German
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647 648 POLITISCHE REVUE. Auf Anordnung des Präsidenten Roosevelt ist nunmehr eine offizielle Darstellung der seitens der Regierung der Vereinigten Staaten in der Angelegenheit der Ki schi new - Petition unternommenen Schritte erschienen. Das betreffende Communique lautet in wortgetreuer Uebersetzung: „Die russische Regierung hat es abgelehnt, die von mehreren tausend Bürgern unterzeichnete und auf Weisung des Präsidenten nach St. Petersburg gekabelte Petition bezüglich der Lage der Juden in Russland entgegenzunehmen oder in Betracht zu ziehen. In der Konferenz zu Oyster Bay am Dienstag, den 14. Juli, beriet der Präsident mit den Herren Leo N. Lev y, Simon Wolf und Oskar S. Strauss wegen der Ueberreichung der Petition, und es wurde beschlossen, an den amerikanischen Geschäftsträger in St. Petersburg, Herrn Riddle, folgende Depesche abzusenden: „Staatsdepartement, Washington, 15. Juli 1903. Riddle, St. Petersburg. Sie sind beauftragt, bei dem Minister des Aeusseren eine Audienz nachzusuchen und ihm Folgendes zu unterbreiten: „Exzellenz! Der Staatssekretär beauftragt mich, Sie davon in Kenntnis zu setzen, dass der Präsident eine von einer grossen Anzahl Bürger der Vereinigten Staaten aller Religionsbekenntnisse und in den höchsten Stellen, sowohl des öffentlichen als des privaten Lebens befindlich, unterzeichnete Petition bezüglich der Lage der Juden in Russland erhalten hat, welche an den Kaiser gerichtet ist und folgendermassen lautet (Hier folgt der von Ihnen bereits mitgeteilte Text der Petition). Ich bin beauftragt, anzufragen, ob die Petition von Eurer Exzellenz entgegengenommen wird und Sr. Majestät zur gnädigen Berücksichtigung übergeben werden kann. In diesem Falle wird die Petition sofort nach Petersburg gesandt werden." Berichten Sie so bald als möglich über Ausführung dieser Instruktion. Hay/' Diese Note ist am 15 Juli abgesandt und am gleichen Tage Herr Riddle vom russischen Minister des Auswärtigen dahin informiert worden, dass im Hinblicke auf die Veröffentlichungen, welche in den Blättern erschienen seien, die russische Regierung ihn in Kenntnis zu setzen wünsche, dass die proponierte Petition unter keinen Umständen entgegengenommen werden würde» und dass dieser Entschluss der russischen Regierung unabhängig von irgend einer Erwägung des Inhaltes oder gar Wortlautes der Petition gefasst sei. Nach Empfang dieser Mitteilung richtete der Staatssekretär folgendes Schreiben an die Herren Strauss,Wolf undLevy: „Geehrter Herr 3 Ich bin vom Präsidenten beauftragt, Ihnen mitzuteilen, dass dieses Departement von der amerikanischen Botschaft in St. Petersburg dahin informiert ist, dass die kaiserliche Regierung von Russland es abgelehnt hat, die Petition in Betreff der Lage der Juden in Russland, die von einer grossen Anzahl Bürger der Vereinigten Staaten an Se. Majestät den Kaiser gerichtet war, und welche dieses Departement auf Anweisung des Präsidenten und auf Ihren Wunsch ihrer hohen Bestimmung zuzuführen versuchte, entgegenzunehmen oder in irgend welche Erwägung zu ziehen. Ich zeichne, geehrter Herr, hochachtungsvoll als der Ihre John Hay." Damit erscheint der ganze Zwischenfall endgiltig abgeschlossen, weil nach dem Gesagten für die Regierung der Vereinigten Staaten keine weitere Möglichkeit besteht, zur Erreichung des angestrebten Zweckes irgend weiche Schritte zu unternehmen. Die Blätter der Petition selbst werden zu einem stattlichen Bande vereinigt und dem Archiv des Staats-Departements einverleibt werden. In einzelnen Teilen des russischen Reiches hat die Auswanderung von jüdischen Familien wieder grösseren Umfang angenommen. In Elisabetgrad in der Provinz Cherson sind allein im Monat Juni dreihundert jüdische Familien nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika ausgewandert, im Juli ist die Zahl der auswandernden Familien auf beinahe zwanzig pro Tag geschätzt worden und die Auswanderungslust verbreitet sich immer mehr. Auch aus Rumänien kommen Nachrichten über die Massenauswanderung jüdischer Handwerker. Der Mangel an Arbeitsgelegenheit und die allgemeine schlechte Geschäftslage trägt die Schuld an dieser Bewegung. Die Bnai Britfi-Logen der Vereinigten Staaten und andere ausländische Wohlfahrtsinstitute kommen den Auswanderern zu Hilfe. Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3i5<>, für das Ausland Mark 4,— für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. „__Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen . ---Reiches unter No. 6174 der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. —■—- Anzeigen 50 Pfennig die viergespaltene Petitzeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise, Adresse für die gesamte Korrespondenz: S. CALVARY & Co. (Inn. HUGO BLOCH & Dr. F. GOTTHELF). Verlagsbuchhandlung und Antiquariat, Berlin NW., Neue Wilhelmstrasse 1. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag von S. Calvary & Co., Berlin NW. 7. Druck von'J. S. Preuss, Berlin S.W. 19. — Cliches von der Graphischen Kunstanstalt Richard Labisch & Co., Berlin S.W.

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