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Ost und West · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. Seite 563 - 564

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
Tischah-B'ab
Date
1903-08-01
Page
Seite 563 - 564 (sequence 5)
Language
German
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563 Schalom Asch: Tischah-B'ab. 564 Der A4ond zieht am Himmel einher und blickt mit kalten Augen auf das finstere Gässchen. Alles umher ist in sich versunken, als ob schon die beiden grossen Tränen aus Gottes Augen herniedergefallen wären und alles ertränkt hätten, alles, alles. Und mir ist, als ob einsam der Profit Jirmijahu zum Friedhofe schritte, um die Ahnen aus den Gräbern zu wecken, damit sie endlich Fürsprache bei dem Ewigen einlegten für die vertriebene Gemeinde Israel. Und bald wird im Gässchen die laute Debatte beginnen .. . #t?uß an 3ton. Ton 'Jtbu&n ftalewi. Deutsch von 8. Reiten Denkst, Zion, Du der armen Kinder nicht, Des kargen Rest's, der nur von Zlon spricht? Ton Ost, GClest, JSord und Süd, von überall Ätte drangen sich die Scbnsucbtsgrüsse dicht! Flein Gruss auch, Cränen, reich wie ftermons Cau — O, weint* ich sie in deiner Berge Sicht* I>Ilch Schakal Deines Leids macht fioffnungstraum Zur F)arf in ew'gem ^utetfestgedicht* mit seufz' ich, anzusehen jeden Ort, UXo Deinen Reinen ward ein Gottgesiebt I Dort ward er nahe Dir, der 6«adenthron, Dein €or dem Rimmelstor im Hngeticbt. Ond Stern' und Sonn' und JNlond -- was waren sie, Da Gott allein Dir Licht und Zuversicht? Die Seer ergöss' ich, wo sich Gottes ©eist Srgoss auf die erwählten, gross und schlicht« Du Königssitz, Du Gottesburg, und wiegt In Deinem ßerrscherstuhl sich jetzt ein «liebt? O schweift' Ich dort, wo einst von Sehern klang Der Gottes Offenbarungen Bericht! Zu Deiner Berge Kluften flög, ich hin Fixt einem fierzen, das, zerklüftet, bricht, Den Boden küsst' Ich, herzte jeden Stein, Drückt' in den Staub mein güibend Hngesicbt. Und übt' ich auf der Täter Grüften erst, Huf Rebrons Gräbern fromm der Hndacht pflicht, Den {Haid durchzog' ich, Karmel, Hbarim, Terklärt von der Srinn'rung Zauberlicht» F>or, Hbarlm, wo einst das Hichterpaar, Wo ihr, ihr teuern Hehrer, ach, erblicht. O, Heben ist die Hüft, die Dich umwallt. Die Strome Seim, Gewürz des StaubesSchiebt! Barfuss auf Deinen Prummern wallt' ich gern, Da Cempelschimmer aus den Prummern bricht, WLo Cherubim im H Her heiligsten, Die Harfe, die zum Reil uns jetzt gebricht. ■fort, Glanz! und fluch Dir, Zeit, stets zu entweib'n Geweihtes in der fremde Hand erpicht! Seh' ich von f)unden Deine Heu'n geschleift, O wie es tief mir in die Seele sticht! Und hacken Raben Deine Hdler tot, Huf Speis' und Crank und Sein tu' ich Terzicht. Genug, Du Heidenskelch, Du Bitternis, Die ihr in's J*Iarh mit Gallengift mir schlicht. Denk' Ohlahs ich und Ohlibahs, dann ist Tollendet meines Glends Unterricht! Du, schönes Zion, knüpfst der Hiebe Band, Das Deine Heidgenossen all' umflicht. Sie freut Dein Glück, und sie durchzuckt der Schmerz, denn Deine letzte Kraft zusammenbricht. Gefangen, bücken sie voll Sehnsucht sich Tor'm Osten, wo einst stand Dein Cempel licht. 3fhr F) erden, nie vergaset die f)und' ihr doch, Wie Ihr zerstreut die Berge rings durchstricht. Sie fassen Deinen Saum, sie streben hin, $Uo in den Hether deine palme sticht. Was hätten flü und 6uphrat Grosses auch? das hätt' ihr CClabn, das Qrims Kraft entspricht? Gesalbte, Dichter, priester und prophet — das hätte neben diesen noch Gewicht? O, Deine Kronen wahren ew'gen Glanz, Denn über Götzen flammt einst das Gericht. ]Nacb Dir sehnt sich selbst Gott — Reil, Renschen, euch, Die nimmer ihr aus Zions JNfähe wicht. Reil ihm, der noch erbarrt, erlebt die Zeit, 3Ho sich durch flacht Dein Jorgen strahlend ficht; 3CIenn die Grles'nen jauchzen auf vor Hust, Der Jugend Goldkranz Dir in's F>aar sich flicht. Dieser „Gruss an Zion" ist eine Uebersetzung des weltberühmten Klageliedes "pTDN ülhwh "»SftttPn tihn |Vif von ^Sn min^ das am 9 Ab in allen Synagogen Israels gesungen wird.

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