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Ost und West · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. None

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Date
1903-08-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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ösT^kesr ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/ FÜR MODERNES JUDENTUM. Herausgegeben unter Mitwirkung von Künstlern, Gelehrten und Schriftstellern von LEO WINZ, Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 8 August 1903 III. Jahrg. ZUR LAGE. Von Nathanja Sahuwi Es ist eine alte Wahrheit: die Gefahren, denen wir vor kurzem erst entronnen; die Nöte, die uns jüngst erst umkrallt, die Krankheiten, die uns zuletzt erst aufs Lager geworfen— sie sind die bösesten unseres Lebens, und wären sie die leichtesten auch. Uns gab aber zum Glück ein gütiges Geschick das Vergessen. Wie ein dichter Schleier, der die Kanten umhüllt und die Rauhheit dämpft, legt sich die Zeit über leidvolles Geschehnis. Rasch rollen die Wasser zum Meere; und so ein neues Gewitter herniedersaust, peitscht es den Strom nur zu schnellerem Fluten. Und das weite Land umher füllt noch der Segen. Wir Juden sind Meister des Vergessens. Wo hätten wir sonst die Kraft genommen, immer neuen Schlag zu ertragen in der zweitausendjährigen Folge des Unheils? Wo den Mut gefördert, auszuharren und auf den Grüften unserer Hoffnung neue Hoffnung in die Zukunft zu pflanzen und im Düster von seligem, sonnigem Eden zu träumen? Vergessen können: war unser Erbe; und so blieben wir im Leid noch das Volk erdständigen Optimismus! Vergessen können: die Gabe hat das Leben uns angezüchtet zur Erhaltung unserer Art im schweren Kampf ums Dasein. Schon die Ahnen musste unser grosser Lehrer mahnen: „Erinnert Euch, dass ihr .. So stark waren sie im Vergessen! — * * * Wie eine Warnungstafel habe ich diese Sätze vor mich hingestellt. Nun ich von unserer Lage sprechen will, wird da nicht wieder die traurige Situation der Gegenwart uns als die traurigste unserer Geschichte erscheinen? Wir leben in einer schweren Zeit. Allein, schwere Zeiten haben wir schon oft getragen. Sie sind dahin gegangen. Und w i r sind geblieben. Gewiss! wie hart das Schicksal uns immer packe, verzagen wollen wir nicht. Aber wir wollen uns nicht leichten Sinnes mit qualmigen Tröstungen über die Bedeutung der Stunde hinweglügen. An einem Wendepunkte unserer Geschichte stehen wir. Ein Jahrhundert Judenfrage ist nun zu Ende. Eine Lösung, die leuchtend auftrat, wie die Sonne am jungen Tag, ist in schwarze Nacht versunken. Im Monat Abh ward uns die Gewissheit. In diesem Jahre! Mehr als die Hälfte unseres Volkes steht vor der bangen Frage: Wohin? Immer hat es in allem Elend ein Land gegeben, ein Stückchen Erde, wohin die Vertriebenen unseres Stammes den wandermüden Fuss setzen konnten. Zu allen Zeiten! Nun heisst es: Wir haben kein Land!! Machtlos stehen die anderen Volksgenossen da aus den Ländern der Freiheit. Was sind denn sie geworden in dem Jahrhundert der Gleichheit? Eine verachtete Masse, von jedem gemieden. Woran sie sich auch klammern, sie werden mit Gewalt abgeschüttelt. Von allen. Einst hatten sie den Liberalismus, der sie schützte. Nun aber sein Ziel im grossen erreicht ist und seine Weltanschauung sich durchgesetzt hat und Gemeingut geworden in

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