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Ost und West · 1903-07-01 · Heft 7 (Juli 1903) · p. Seite 447 - 448

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 7 (Juli 1903)
Article
Max-Stern
Date
1903-07-01
Page
Seite 447 - 448 (sequence 2)
Language
German
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447 Raphael Ed. Liesegang: Max Stern. 448 MAX STERN: „Studie zum Trödler im Amsterdamer Judenviertel". Sie haben ein grosses Bedürfnis nach Mystik aus dem Orient mit herübergebracht. Die das erkannten, versuchten, es von sich zu weisen: Wie eine Sünde. Ich denke, hier ist ein Grund zu suchen für den Naturalismus Liebermanns. Für die robusten Arbeiter, die Stern zeitweise gemalt hat; zum Teil sogar im vollen Sonnenlicht. Ein innerlich Fehlendes soll mit dieser Malsprache ausgefüllt werden. Sie sucht kalt, nüchtern zu sein, um die Wärme des Innersten — richtiger, ich meine stimmungsähnlicher: das Schwüle zu übertönen. Ich las Kritiken über eine jüdische Sängerin.. Die behaupteten, sie habe zu wenig Seele. Und doch war sie wärmer als alle Germanen, denen man dies anlobte. Aber sie verbarg es den Ohren der Anderen. Hatte sie sich in intimen Kreisen einmal gehen lassen, dann folgte ganz sicher eine Trivialität sofort darauf. Genau so, wie es Heinrich Heine machte. — Kann man sich den Juden in der Unbekleidetheit des alten Griechen vorstellen? Wie selten sehen sie sich demaskiert! Das sind zwei Motive, die sich gegenseitig unterstützen. Sie haben bei Stern eine Abneigung gegen Italien und einen äusseren Abscheu gegen Alles, was etwas Süssliches an sich hat, erzeugt. Aber von Zeit zu Zeit offenbaren sich in seinen Bildern doch die alten Heimlichkeiten des Innersten: Dort, wo er sich am stärksten von allem Orientalischen erlöst glaubt: wo er in einem fernen Abseits sich rein davon fühlt, da zeigt er es am stärksten. Auf seinen katholischen Kirchenbildern liegt der schwere Dunst des Weihrauchs. Der hat ihn allein angelockt. Er steht damit durch diese Interjektion weit über den üblichen Architekturbildern. Eine naheliegende Association führt zu den andern kirchlichen Schilderungen: zu Kevelaar, der Heiligen, den Processionen. Und seine Vorliebe für jene Verwandte der Weihrauchstimmunglm der ^Natur: der Dämmerung ist auch ein Klang aus dem Innersten. Zugleich ist da mehr Mystik und es ist die Zeit vor dem Schlafengehen. Auch hier entspringt eine Unlust wider das luftklare Italien. Und ein Hingezogenwerden nach den Niederlanden: den Landen der Gewässer und Nebel. Locken sie ihn nicht wie eine heimliche Heimat? Die noch vieles andere Sympathische in sich birgt: Die Ruhe der Dicken, die dem Rastsuchenden wohl tut. Und Rembrandt, der mit seinem jüdischen Gelb und mit seinem Weihrauch Alt- Orientale ward .... Ich bin zu weit gegangen, da ich sagte: Der Naturalismus entsprang aus einer Reaktion. Ich glaube: er ist auch eine Schwäche. Sie sind meistens keine MAX STERN. PORTRAIT DES SCHRIFTSTELLRES N.

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