Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1903)
- Article
- Gebetbuch der Synagoge zu Wolpa [Illustration]
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 427 - 428 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- illustrations
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427 428 MISCELLEN UND APHORISMEN. Das semitische Museum in Cambridge. Kürzlich wurde an der Havard - Universität das neue semitische Museum eröffnet, das in der Geschichte der jüdischen Forschung umsomehr Epoche machen dürfte, als es bisher einzig in seiner Art ist. Das Museum, das einen Kostenaufwand von 100 000 Dollars verursachte, ist eine Schenkung des bekannten New- Yorker Philanthropen Jakob H. Schiff, der seit 10 Jahren dem leitenden Komitee der semitischen Abteilung dieser Universität angehört. Der Eröffnung wohnten Vertreter aller grösseren höheren Lehranstalten und theologischen Semenarien des Landes bei, * * * „Häufig wird die Meinung angetroffen: die Juden müssen so viel schlechter als andere Völker sein, denn ihre Propheten , ihre Redner, ihre Führer haben ihnen ihre Schlechtigkeit immer vorgeworfen. Vielleicht waren unsere Fehler nicht grösser, aber nur der Tadel derselben offenbarer, schärfer als bei anderen Völkern. Jedenfalls haben die Juden nicht bloss durch ihre Propheten und Richter diese Selbstkritik geübt, sondern im Volksmunde war sie zur Sitte geworden; wenn unseren Eltern und Voreltern irgend ein Widriges begegnet ist, ein hartes Schicksal, ein böser Zufall, ja selbst eine ganz offenbare Ungerechtigkeit eines Anderen, so war das erste Wort bei der Erzählung und beim Anhören: „Um unserer vielen Sünden "willen." Das hat man vor Allem an sich selbst als letzte und eigentliche Ursache des Uebels gedacht. Mit unzähligen Stellen könnte ich es belegen, dass die Juden nach dem Muster ihrer Propheten, das vor Jedermanns Seele stand, allezeit stolz auf ihr Ideal, aber demütig ob der Wirklichkeit waren, auch ob ihrer ganzen histo- ' rischen Wirklichkeit. Andere Völker waren fast alle Lobredner vergangener Zeiten; die Juden allein haben an entscheidender Stelle gesagt: „Wir und unsere Väter habengesündigt." cnn lrmava Lazarus „Treu und Frei", S. 109. GEBETBUCH DER SYNAGOGE ZU WOLPA. „Die Schönheit der Jüdinnen ist von eigentümlich rührender Art. Das BewusstseinMes tiefen Elends, der bitteren Schmach, worin ihre Verwandte und Freunde leben, verbreitet über ihre holden Gesichtszüge eine gewisse leidende Innigkeit und * beobachtende Liebesangst, die unsere Herzen sonderbar umzaubern". Heinrich Heine in seiner Erzählung ..Der Rabbi von Bachrach".