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Ost und West · 1903-05-01 · Heft 5 (Mai 1903) · p. Seite 311 - 312

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 5 (Mai 1903)
Article
Boris Schatz
Date
1903-05-01
Page
Seite 311 - 312 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Dr. M. Ehrenpreis: Boris Schatz. 312 BORIS SCHATZ. BETENDER JUDE. BORIS SCHATZ. BETENDER ZIGEUNER. von ihr mit Recht das schöne Wort gesagt, dass er aus ihr neuen Mut schöpfe, wenn ihm manchmal die Last der Regierungsgeschäfte allzu schwer werde. Das trifft zu: Dieses Werk löst Energie aus. Daran aber erkennt man das wirkliche Kunstwerk. IV. In den letzten Jahren hat Schatz eine Serie von Bas-Reliefs geschaffen, welche Typen aus dem zeitgenössischen jüdischen Leben darstellen, die man als Vorstudien für künftige grössere Kompositionen ansehen darf. Es sind lauter verinnerlichte Golustypen mit geadelten Gesichtern und durchgeistigten Händen, alle fein gesehen und mit grosser Präcision im Ausdrucke wiedergegeben. Jedes ist wie eine kleine Novelle von Perez, knapp, erschöpfend, eine Seelenschilderung in zwei, drei Strichen. Es ist die intime Poesie einer äusserlich verwahrlosten Welt, die schöne Seele in einem hässlichen Körper. Der Künstler scheint uns damit sagen b. SCHATZ. zu wollen: Seht doch, wie viel Innigkeit, Poesie und Seelenadel es in dieser engen, schmutzigen Judengasse giebt. Diese erst in den letzten Jahren neuentdeckte Welt hat Schatz noch einmal für sich entdeckt, und er sieht sie mit eigenen Augen und reproduziert sie mit eigenen Mitteln. Die Basreliefs „der betende Jude", „der Segen des Rabbi", „Hawdala", „schlafender Jude"—das sind lauter seelenvolle Golusphysiognomien mit beredten, traurigen Händen und jenem tieftragischen, verzichtenden und dabei so glaubensstarken Ausdruck der Augen. Das sind nicht Einzelmenschen, sondern Symbole; das sind Verkörperungen des Judentums als Lebensmacht. Diese Menschen sind nicht nur Juden, wenn sie ihr Gebet verrichten; sie sind nicht nur „Bekenner" des Mosaismus — sie leben das Judentum, es ist die bewegende und bestimmende Kraft ihres ganzen Seins. Ein anderes Stück Judengasse zeigt sein gelungener „Schadehen", der' mit der heiteren Bonhommie eines Goluspfiffikus eine ZIGEUNER. Prise Schnupftabak zur Nase führt.

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