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Ost und West · 1903-05-01 · Heft 5 (Mai 1903) · p. Seite 305 - 306

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 5 (Mai 1903)
Article
Boris Schatz in seinem Atelier [Illustration]
Date
1903-05-01
Page
Seite 305 - 306 (sequence 1)
Language
German
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305 306 BORIS SCHATZ IN SEINEM ATELIER. BORIS SCHATZ. Von Dr. M. Ehrenpreis (Sofia). 1. Boris Schatz ist ein Künstler, der noch alle Möglichkeiten künftiger Entwickelung in sich trägt. Wie Viele vor und neben ihm, sprang er unvermittelt vom Bethamidrasch ins Künstleratelier und blieb dabei in seiner Seele unversehrt. Sein Weg war derselbe, den sie Alle gingen, der typische Weg des Goluskünstlers. Ein Kind armer Eltern (er ist 1866 im Gouvernement Kowno als Sohn eines Melamed geboren), verlässt er früh das Cheder und die ihm zugedachte rabbinische Karriere und eilt hinaus, seiner inneren Künstlerneigung folgend, tastend, suchend, versuchend, und vor allem darbend und leidend, mit einer grossen, jüdischen Sehnsucht im Herzen. Er geht nach Wilna als Zögling der Zeichenschule, dann nach Warschau als Lehrer an der Kunstgewerbeschule, bald darauf (1890—96) nach Paris, wo er als Schüler und Gehilfe Antokolski's allmählich in den grossen Stil der Skulptur hineinwächst. Seit sieben Jahren lebt er in Sofia, und hier scheint der suchende Wanderer sich endlich gefunden zu haben: Nach mehrjährigem Herumexperimentieren mit altbulgarischen Kunstmotiven ist Boris Schatz wieder zum jüdischen Stoffgebiete zurückgekehrt, das sein Ausgangspunkt war. Es ist zu wünschen, dass er dabei bleibt; denn da ist der Boden, auf dem er ,. wachsen kann. Schatz steht heute, nach mehr als zehnjährigem Ringen, eigentlich erst recht am Anfang, am Anfang eines vielversprechenden künstlerischen Schaffens, von dessen Möglichkeiten er voll ist. Die jüdische Renaissancebewegung, die uns Alle wachrüttelt, hat auch seinem Leben einen neuen Inhalt gegeben und erfüllt seine Seele mit neuen Energieen. Und das, was uns Schatz bis jetzt geschenkt, ist zwar noch nicht in allen Stücken er selbst, aber es beweist, dass er ein zukunftsreicher Künstler ist, der berechtigt ist, viel zu wollen, weil er viel kann.

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