Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Nach der Arbeit [Illustration]
- Date
- 1903-04-01
- Page
- Seite 265 - 266 (sequence 1)
- Language
- German
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265 266 JACOB PLESSNER. JACOB PLESSNER. NACH DER ARBEIT. ■-J> Von G. K u t n a. Wir leben schnell heute; die Kunst eilt, und die Kritik jagt Ein junger Künstler, der erst auskosten will, was Schaffen heisst, wird auf den Markt gestossen, noch ehe er gefestet genug ist für Lärm und Gefahren des Marktes. Seine „Werke" sind erst Fragen, und doch werden sie verantwortlich gemacht für die volle Schönheit eines gereiften Kunstwerks. Die ehrlich Schaffenden haben darum Scheu vor dem Markt. Ein ehrlich Schaffender ist Jacob Plessner, der sich zurückzieht, wo „zu viel Geschrei" ist. Denn dort vergisst die Kritik leicht, was sie dem Künstler schuldet: Lob und Tadel so zu gestalten, dass ihm aus beiden Gewinn wird. Jacob Plessner ist ein Bildhauer, dessen junges Schaffen diese Balance von Lob und Tadel fordert. JACOB PLESSNER. Tüchtiger Fleiss und künstlerischer Ernst zeichnen die ersten Arbeiten aus. Die akademische Korrektheit wird durch individuelle Züge unterbrochen, und bald zeigt sich neben dem Plastisch-Decorativen auch oft eine persönliche Auffassung des Gehalts. Plessner ging von der dekorativen Plastik aus. Dieser Sohn einer bekannten Rabbiner - Familie, der „streng im Glauben der Väter erzogen" wurde, fing mitten in dem frommen Kreise an, „Tische und Wände zu beschmieren". Während man nebenan dem Gedankenspiel der Agada nachging und sich an der Schönheit der „Gedanken" erfreute, fing der Knabe an, die Schönheit der Linie zu suchen, das Spiel des rein Formalen und seine Reize zu erkennen. Er lernte zuerst praktisch