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Ost und West · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Date
1903-04-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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ÖST^ggeSTT ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR MODERNES JUDENTUM. Herausgegeben unter Mitwirkung von Künstlern! Gelehrten und von LEO WINZ. Schriftstellern Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 4 April 1903 III. Jahrg. DIE JUDEN VON GESTERN. (Eine Erwiderung.) Es war auf dem dritten Baseler Zionisten- Kongress. Dr. Herzl, der Vielgefeierte, Vielumworbene, sass eines Nachmittags im vertraulichen Kreise von Berichterstattern und Schriftstellern; man hatte das Feld der hohen Politik verlassen und sprach, wie gewöhnliche Sterbliche, über dies und jenes. Und da wurde, erst leise, dann immer lauter, mancher Zweifel an der Durchführbarkeit des in so flotten Zügen von Dr. Herzl hingezeichneten „Judenstaates" rege. Eine Frage nach der anderen wagte sich hervor, und da man einmal ins Fragen gekommen war, wollte die angefachte Wissbegierde sich nicht so bald beruhigen und bedrängte den „Schöpfer des Kongresses", er möchte doch einen Zipfel des Schleiers lüften, der seine Pläne verhüllte und sie vor profanen Augen verbarg. Der Taumel, den die erste Broschüre Dr. Herzls, „Der Judenstaat", hervorgerufen, hatte sich erheblich verflüchtigt und einer beträchtlichen Ernüchterung Platz gemacht. Um sich im Glauben zu stärken, hätte man doch wissen mögen, wie Dr. Herzl sich im Einzelnen die Ueberführung des jüdischen Volkes in das Land der Väter und die Begründung eines Staatswesens daselbst dachte. Nach allem, was man wusste, sollte dieser Prozess nach dem Plan Dr. Herzls, entgegen aller bisherigen historischen Erfahrung, binnen so kurzer Zeit vor sich gehen, dass der Führer selbst, wie er sich ausdrückte, nach vollbrachtem Werke wieder zu seinem Schreibtisch und zu der liebgewordenen schriftstellerischen Tätigkeit zurückkehren konnte. Die Fragen nach den Wegen und Mitteln, mit denen ein so grossartiger Plan in die Tat umgesetzt werden sollte, waren demnach berechtigt und verständlich und Hessen sich nicht so leicht abweisen. Da erklärte Herr Dr. Herzl feierlich, er arbeite bereits an einem Werke, welches über kurz oder lang fertiggestellt sein werde, in welchem er, auf alle Einzelheiten genau eingehend und alle Schwierigkeiten und Zweifel in Betracht ziehend, seinen sorgfältig ausgedachten Plan klarlegen wrerde. Das Buch, welches die Form einer in die nicht allzuferne Zukunft verlegten Erzählung tragen solle, werde auf alle Fragen Antwort bringen, alle Zweifel klären und auch dem herbsten Skeptiker die Ueberzeugung von der Durchführbarkeit des Werkes bringen, zugleich die Mittel und die Wege zeigen, wie die grossartige Konzeption in die Tat umgesetzt werden würde. Die Schrift würde also nicht nur im eigenen Lager klärend wirken, sondern auch nach aussen hin eine werbende Kraft entfalten, indem sie alle nörgelnde Kritik und alle höhnische Zweifelsucht verstummen machen würde. Drei Jahre warteten wir voller Spannung auf das Erscheinen des Buches. Endlich, im Herbst vergangenen Jahres kam es heraus. Es ist der Roman „Altneuland", der von Freund und Gegner mit wohlbegründetem Interesse in Empfang genommen wurde. In weit höherem Masse, als alle früheren litterarischen Erzeugnisse des Verfassers

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