Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Date
- 1903-03-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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PsriWfesT: ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT v FÜR MODERNES JUDENTUM. Herausgegeben unter Mitwirkung von Künstlern, Gelehrten und von LEO WINZ. Schriftstellern Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 3 März 1903 III. Jahrg. EIN FEST DER DEUTSCHEN STAATSBUERGER JUEDISCHEN GLAUBENS. Von Dr. Jon Ein altes Wort lehrt, die Feste zu feiern, wie sie fallen. Das ist ein braver Rat, so recht angetan, bequemen Leuten nachdenkliche Sorgen und unnötige Fragen zu ersparen. Die Hauptsache ist eben, dass gefeiert wird! . . . Das Fest des Zentral-Vereines war kein Zufallsfest. Es war ein Weihetag, der zum Sinnen regte. Nicht die Wiederkehr des Gründungstages wurde gefeiert. Sondern der Abschluss einer zehnjährigen Entwicklung in einem inneren Ausbau, der erst den äusseren Aufschwung und die grandiose Anreicherung seines Mitgliederbestandes ermöglicht hat. Dreitausend Juden führte der Festtag zueinander. Also weit mehr noch, als sonst eine Theaterpremiere zusammenführt. Und alle waren der Freude voll. Aber so mancher fehlte und sass schmollend beiSeite, der einstens der neuen Schöpfung zugejubelt. Wo war der Mann, der mit so wuchtigem Wort und so konzessionenfeindlicher Deutlichkeit und Geradheit den Zusammenschluss der Gleichgesinnten gefordert hatte? Er lebt doch und ist gesund und schafft rüstig an einem edlen Werke der Volksbildung und -Gesittung ...-- Weit ist der Weg, den der Verein gegangen. Zum Segen für die deutsche Judenheit und zum Glück für unsere Gesamtheit. Der zehnte Stiftungstag findet auch diesen Verein auf der „Rückkehr ins Judentum". Die geheimnisvolle Zauberkraft des as Wolfsohn. Erbes unserer Ahnen hat auch hier ihre Wunder gewirkt. Wer sich zum Hüter des Erbes macht, der wird reicher und beglückt. Und schon die Berührung unseres Judentums — des geistigen Erdreiches, aus dem wir sprossen — giebt Jugend und Jugendschaffensdrang. Diesen seelischen Umformungsprozess zu einem nur in den Formen und Aeusserungen modernen, im Wesen aber uralten, nur neugestützten Judentum, diesem jüdischen Renaissanceideal die Hemmnisse auszuschalten, lag wirklich nicht im Plane der geistigen Nährväter des Zentralvereins. Die Ausgangsstation seines Fortschreitens ist nicht mehr zu sehen. Ist das ein Vorwurf? Erwartet man von einem Kinde, das seinen zehnten Geburtstag erlebte, dass es so sei wie an dem Tage, da es sich ins Leben schrie? Die in die Tiefe gehende und die ersten Leitmotive zerstörende Entwicklung des Zentralvereins zeigt nur, dass er kein Petrefakt, sondern ein lebendiger Organismus ist. Der Zentralverein ist heute ein jüdischer Verein. Aber gegründet ward er mit durchaus destruktiven Tendenzen. Gewiss, es war eine Tat, gegen ein Schutzjudentum zu protestieren, das für die Sicherung von Ehre, Leben und Besitz das Machtwort des Kaisers erflehen, erbetteln wollte. Es war ein Aufleuchten echten Stolzes und gerechten Selbstbewusstseins, an die für jeden nicht parteipolitisch verblödeten Juden natürliche Verpflichtung zur Selbst-