Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- Revue der Presse
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 863 - 864 (sequence 2)
- Language
- German
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863 Revue der Presse. 864 dieser jüdischen Abgeordneten, Kapitän H; M. Jessel, em Sohn des verstorbenen Oberrichters Sir Georges Jessel, ist einstimmigzum Lord Mayor von Westminster gewählt worden. Somit ist, wie die City, auch der vornehmste Stadtteil Londons, in welchem das Parlament und die Ministerien liegen, durch judische. Bürgermeister vertreten. Dem Beispiele der Hauptstadt ist das benachbarte Gravesend (Kent) gefolgt, wo unserm Glaubensgenossen H. S. Davis die Mayors-Würde übertragen wurde. * # # Dr« Bloch's Wochenschrift schreibt: Vor kurzem hat die „Vereinigung christlicher Frauen Iilands" auf ihrer Jahresversammlung einstimmig folgende Resolution gefasst: „Die Versammlung der christlichen Vereinigung irischer Frauen hat von der gegenwärtigen Behandlung der Juden in Rumänien gehört und hat den Wunsch, auf das ernstlichste und dringendste gegen eine Fortsetzung dieser Verfolgung zu protestieren. Sie ersucht den Vorstand der evangelischen Allianz, diese Resolution der Regierung mit dem Bermerken zu unterbreiten, dass sie von den Vertreterinnen von Tausenden von irischen Frauen angenommen worden ist." — Major Evans Gordon wurde nach seiner Rückkehr von der Reise nach Russland, Rumänien und Galizien von zahlreichen Journalisten, ersucht, seine Eindrücke über die osteuropäischen Juden mitzuteilen. Major Gordon lehnte einen ausführlichen Bericht mit der Begründung ab, dass er im Begrifl stehe, das Ergebnis seiner Reisestudien in einer Broschüre niederzulegen, und dass es ihm nicht angemessen erscheine, vor Veröffentlichung dieser Schrift Einzelheiten in der Tagespresse zur Sprache zu bringen. Er wolle nur bemerken, dass er in Bukarest, in Kowno und Warschau jüdische Gelehrte, Schriftsteller und Privatleute kennen gelernt habe, mit denen er sich aufrichtig befreundet habe. „Die Situation in Rumänien ist skandalös. Jch habe die Absicht, hier im Unterhaus eine Debatte darüber zu veranlassen, und ich halte eine solche Debatte für ausserordentlich wertvoll. Die Wirkung einer Parlamentsdebatte, in der mancherlei Dinge zur Sprache kommen, und für die ich mich ganz besonders vorbereitet habe und hoffentlich auch die rechten Worte finde, muss von grosser Bedeutung sein und würde auch in Rumänien einigen Eindruck machen. Als ich dort war, habe ich über d ese Dinge mit mehreren Staatsmännern gesorochen, obgleich diese, wie ich wohl wusste, nicht gern kritisiert werden. Sie behaupten sogar, dass sie materielle Schädigungen aus ausländischen Kritiken durchaus nicht fürchten, sie scheinen aber zu vergessen, dass man manchmal Freunde sehr nötig hat. Ich möchte gern wissen wie unsere Regierung darüber denkt,' und was.sie zu thun beabsichtigt; deshalb habe ich im Unterhaus die Anfrage wegen der amerikanischen Note gestellt." Im Laufe des Gespräches erzählte Major Gordon die Geschichte von einem rumänischen Juden, der als Soldat im russisch-türkischen Krieg mit grosser Tapferkeit seinem Vaterlande gedient hatte und zur Belohnung dafür rumänischer Bürger geworden war. Während Major Gordon in Rumänien war, hatte der Sohn dieses tapferen Soldaten seine Naturalisation nachgesucht und war abgewiesen worden. „Das ist. was die Deutschen „gemein" nennen", fügte der. Major hinzu. „Und haben Sie auf Ihrer Reise bestätigt gefunden," fragte der Besucher, „dass die Juden eine Nation von Plutokraten sind?" Mit mitleidsvollem Lächeln erwiderte Major Gordon: „Sie sind das ärmste Volk auf Gottes Erdboden." * * * - Soeben hat der Petersburger dirigierende Senat eine Entscheidung getroffen, welche vielen jüdischen Handwerkern, wie die „Nowoje Wremja" richtig bemerkt, das ihnen bisher zuerkannte Wohnrecht in ganz Russknd endgülig abspricht. Die Entscheidung des Senates lautet: „Juden, welche das Handwerk von Strassenpflasterern, Steinklopfern, Dammgräbern, Zimmerleuten und Stukkateuren ausüben und von den Zünften diesbezügliche Zeugnisse besitzen, dürfen sich ausserhalb des jüdischen Niederlassungsgebietes weder niederlassen noch zeitweilig aufhalten." Der Beschluss der Gouvernements-Verwaltung von Kiew, jüdische Handwerker dieser Kategorie aus Kiew auszuweisen, wurde vom Senate als gesetzlich befunden . . . * * Wie der „Minskij-Listok" meldet, wurde die jüdische Bevölkerung von Sasslawl unlängst von den russischen Rekruten der diesjährigen Einberufung überfallen, arg misshandelt und ihr Hab und Gut verwüstet und geplündert. Die Scheiben in den jüdischen Wohnungen wurden zertrümmert, die Thüren erbrochen und das Hab und Gut der armen Juden teils vernichtet, teils weggeschleppt. Zwei Juden wurden von den Rekruten schwer verletzt. * # * Leipziger Neueste Nachrichten. Leipzig, 24. November 1902. Die Begründung einer jüdischen Universität planen, so berichtete ein Londoner Blatt, die Führer der Zionistenbewegung. Jüdische Geldleute sollen schon 1 000 000 Francs für die Kosten des Plans, der im ganzen 12 000 000 Francs erfordert, garantiert haben. i^^f^^******* ^M^a^a ^^^^»w^^^p^^^^^Ap^ Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50, für das Ausland Mark 4,— für Russland ganzjährig: 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. Anzeigen 50 Pfg> die viergespaltene Petitsteile, grossere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: S. CALVARY Sc Co. (Inh. HUGO BLOCH Sc Dr. F. GOTTHELF), Verlagsbuchhandlung und Antiquariat, Berlin MW., Neue Wilhelmstrasse 1. *1*ßl^$yi^^fi00^+^0*fi0*^+ßfaf <Wv ^*fa^+i^^p**^i+$^ m*ß+&+ifr ***** Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag von S. Calvary&Co., Berlin NW. 7. Druck von Pass & G3ä±&h^Berlin W 35. & G^JiiÄfe^Berlin •H \ fT"'*on