Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- [Wie im vorigen Jahre,...]
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 787 - 788 (sequence 1)
- Language
- German
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787 788 LITTERARISCHES Wie im vorigen Jahre, so überlässt auch diesmal der Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur den fünften Band des Jahrbuchs für jüd. Geschichte und Litteratur (1902), mit Beiträgen von Philippson, Karpeles, Steinheim, Schwarz, Brand, Schlechter, Kohut, Pappenheim u. a., allen Rabbinern, Lehrern und Kultusbeamten zu dem ermässigten Preise von 1 M. Auch von den früheren Jahrgängen (1—4) sowie von dem Gedenkbuch für Samuel David Luzzatto können, soweit der Vorrat reicht, noch Exemplare, jedes zu dem ermässigten Preise von 1 M. inkl. Porto, bezogen werden. Alle Bestellungen sind unter Einsendung des Betrages an Herrn Maximilian Heymann, Berlin NW., Roonstr. 9, zu richten. * Soeben ist die erste Publikation des Jüdischen Verlages unter dem Titel „Jüdischer Almanach" er- UND MISCELLEN. schienen. Redaktion des litterarischen Teiles: Berthold Feiwel; des künstlerischen Teiles: E. M. Lilien. Der Band umfasst über 300 Seiten. Preis 6 M. Wir behalten uns eine ausführliche Besprechung vor, bemerken jedoch schon heute, dass dieses Prachtwerk, ein glänzendes Dokument der jüdischen Renaissance-Bewegung unserer Tage, geeignet ist, das grösste Aufsehen zu erregen durch seinen reichhaltigen wissenschaftlichen, litterarischen und künstlerischen Inhalt, sowie durch seine, auf dem Gebiete des jüdischen Buchwesens unvergleichlich stilvolle Ausstattung. * Vom 1. Januar 1903 ab wird in Warschau eine ausschliesslich den jüdischen Interessen gewidmete Tageszeitung in polnischer Sprache und mit zionistischer Tendenz erscheinen. Die Konzession lautet auf den Namen des Direktors der Warschauer Diskontobank G. Posnanski, während Herr K. Hertz als Chefredakteur des Blattes genannt ist. APHORISMEN. Die Feinde. — Die grosse That ist zumeist die Antwort der starken Individuen auf die vergüteten Pfeile der Feinde. Thörichte Feinde! Wir brauchen sie. Ihr gemeiner Kampf weckt unseren heiligen Zorn, dieser verschärft die Leidenschaft, die verdichtet die Thaten ins Leben ruft. Das ist die stärkste Antwort, sie vernichtet die Feinde. Adolf Stand. (Aus dem „Jüdischen Almanach". * Das Judentum, das in der Vergangenheit so gut gedient hatte, wird auch in der Zukunft seine guten Dienste leisten. Es wird der wahrhaften Sache, der Sache des Freisinns, des modernen Geistes dienen. Jeder Jude ist ein Freund des Fortschritts; er ist es seinem innern Wesen nach. Die Feinde der Juden sind bei näherem Zusehen zugleich Feinde des modernen Geistes. Die Begründer des freisinnigen Dogmas in der Religion sind die jüdischen Propheten. — — Mit einem Worte: Die reine Religion, die wir als das einstige, die gesamte Menschheit zusammenhaltende Band ahnen, wird die Verwirklichung der Religion des Jesaia sein, jene ideale jüdische, von allen beigemischten Schlacken befreite Religion. — — Das Paradies auf Erden, d. i. das von den Propheten erhoffte Zeitalter des allgemeinen Friedens, der Glückseligkeit und der Brüderlichkeit, wird aus dem Beitritt der Menschheit zur Gottesverehrung Israels erblühen. — E. Renan: Vortrag „Judentum und Christentum". * Im jüdischen „alten Testament", dem Buche von der göttlichen Gerechtigkeit, giebt es Menschen, Dinge und Reden in einem so grossen Stile, dass das griechische und indische Schrifttum ihm nichts zur Seite zu stellen hat. Man steht mit Schrecken und Ehrfurcht vor diesen ungeheuren Ueberbleibseln dessen, was der Mensch einstmals war, und wird dabei über das alte Asien und sein vorgeschobenes Halbinselchen Europa, das durchaus gegen Asien den „Fortschritt des Menschen" bedeuten möchte, seine traurigen Gedanken haben. Freilich wer selbst nur ein dünnes zahmes Haustier ist und nur Haustier-Bedürfnisse kennt, der hat unter jenen Ruinen weder sich zu verwundern, noch gar sich zu betrüben — der Geschmack am alten Testament ist ein Prüfstein in Hinsicht auf „Gross" und „Klein". — Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse. 2. Aufl. S. 68. Leipzig. Neumann, 1891.