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Ost und West · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. Seite 615 - 616

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
Der Thoraschreiber
Date
1902-09-01
Page
Seite 615 - 616 (sequence 2)
Language
German
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615 Jozef Israels: Der Thoraschreiber. 616 Krücken lagen neben ihm auf der Erde. Wie gerne hätte ich mein Skizzenbuch hervorgeholt, der edle Kopf mit dem Bart, der mit dem Pergament und dem Lichte des Fensters eins war,' umgeben von dem Dunkel des finsteren Raumes, aber vor dem strengen Blick des Gesetzschreibers wagte ich nicht, mein Vornehmen zur Ausführung zu bringen. Er zeigte mir mit Stolz die Schönheit seiner Schrift, die Herrlichkeit der grossen Buchstaben, und wie alles gleichmässig ohne Linien geschrieben war. Er nahm würdevoll den grossen Gänsekiel, tauchte ihn tief in das schwarze Fläschchen, das neben ihm stand, und zeigte mir dann, wie er schrieb. Nachdem ich ihm meine Bewunderung ausgedrückt hatte, bat er mich, ihm seine Krücken zu reichen, und er humpelte mit mir nach dem offenen, flachen Dache, das auf gleichem Flur mit seinem Zimmer lag. Hier lagen Matten, worauf er sich nieder- Hess und mich ersuchte, mich neben ihn zu setzen. Beide genossen wir nun das Panorama von Tanger, das unter uns lag, die Hügel und die See in der Ferne. So sitzend, das fremde Land vor mir, neben mir den langbärtigen Alten, auf den Matten des flachen Daches in Marokko, überkam mich das Gefühl, als ob ich in diesem Augenblick in einer Welt lebte, von der ich einmal geträumt hatte. Dann stand ich auf, um zu gehen, der Alte legte seine Hände auf mein Haupt, und mit einem „jeworechecho adonai wejismerecho" (der Herr segne und behüte Euch) schieden wir von einander." 6xti SabbatbpsaltTL Psalm 126. Hn jenem "Gage aber wird es sein, Hls bannte uns ein lichter, schöner Graum* 6s flammt der morgenrote Sonnenschein Hls freibeitsfackel auf am Rimmelssaum; Hn jenem Gage klingt von Nord und Süd, Ton Ost und (Best ein einziger Rubels ebrei, 6in Sabbatbpsalm, ein frohes Bochzeitslied: Der Berr bat uns erlost, und wir sind frei! 6in Meer von Granen haben wir vergossen Und viele sind es, die für Zion starben; Doch unsre Saat ist herrlich aufgesprossen Und reich und golden stehen unsre 6arhen« frei liegt vor uns das Land im Morgengliihn, Das unsre abnungsüssen Gräume schauten, Und purpurrote, junge Rosen blübn, <Ho unsre heissen Granen niedertauten* Still ruht der Sabbathfriede auf dem Land; Im tiefsten 6lück versinken die Gedanken, Und eine schlanke, feine ]Mädchenhand Kränzt deine Stirn mit frischen Blumenranhen. In tiefgeneigte Zweige hüllt dich ein ]VIit deinem Glück ein blütenfdbwerer Baum — Hn jenem fernen Gage wird es sein, Hls bannte uns ein lichter, schöner Graum« Dolorosa«

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