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Ost und West · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. Seite 613 - 614

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
Der Thoraschreiber [Illustration]
Date
1902-09-01
Page
Seite 613 - 614 (sequence 1)
Language
German
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613 DER THORASCHREIBER. 614 Das obige Bild ist von Israels' Freunden seit langem mit Spannung erwartet worden. Wir geben ausser der Reproduction des erst ganz kürzlich fertiggestellten Werkes die Entstehungsgeschichte derselben in des Meisters eigenen Worten, wie wir sie in seinem Buche ,.Spanien" finden. „Ich ging weiter nach oben und stand am Ende der Treppe5 wo sich eine Gardine befand, die sich hin und her bewegte und durch deren Oeffnung ich unwillkürlich in den Raum sah und gesehen werden konnte. Ich stand da und wagte mich nicht weiter, nicht wissend, was mir vielleicht passieren könnte, wenn ich eintrete; doch als ich da unentschlossen stand und nachdachte, hörte ich zu meinem grossen Erstaunen rufen: „Ma mewakschego?" in hebräischer Sprache, die ich kannte; es war eine schwere Männerstimme, die mich fragte: „Was sucht Ihr hier?46 Da trat ich ein und sagte meinerseits: „Salom adonai salom allichem onoughi jehudi me eerets Hollande." „Eerets Hollande", rief er, „wo ist das, was bedeutet das?" So gut und so schlecht es ging, denn stark im Hebräischen war ich durchaus nicht, versuchte ich dem Manne ... Aber ich muss erzählen, was ich sah und wer dieser Mann war. Ich war in einen dunkeln Raum eingetreten, erleuchtet durch ein kleines, längliches, horizontal liegendes Fensterchen, das heisst, ein viereckiges Loch, das nachts oder bei Unwetter mit einer Luke verschlossen werden konnte. Grell schien das Licht durch das Viereck und zeichnete sich auf dem Steinflur ab. In der Nähe dieser Oeffnung stand ein langer Tisch mit schiefen Beinen, und darüber lag ein grosses, weisses Pergament, das beinahe ganz den Tisch bedeckte und mit einer Rolle nach unten hing. Da sass hinter dem Tisch der jüdische Gesetzesschreiber, beide Arme auf das Pergament gestützt, und wandte sein fürstliches Haupt mir zu; dieses Haupt schien viel zu gross für den Körper, der unter dem langen Tisch im Schatten schwer zu unterscheiden war. Es war ein prächtiges Gesicht, fein und durchsichtig bleich wie Alabaster; Falten, kleine und grosse, liefen um die kleinen Augen und die grosse, gekrümmte Habichtsnase. Ein schwarzes Käppchen bedeckte den weissen Schädel, und ein langer, weissgelber Bart lag in grossen Strähnen über das beschriebene Pergament. Er sass in einer Art Lehnstuhl ohne Rückenlehne, und zwei

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