Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- Aphorismen / Wladislaw von Federowicz
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 571 - 572 (sequence 2)
- Language
- German
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571 Litterarisches, Miscellen und Aphorismen. 572 „Mein Volk ist mein Richter. Ich erkenne kein anderes Urteil an als das, welches mein Volk nach meinem Tode fällen wird." „Jeder Mensch will ein Plätzchen für sich haben — und ein Volk für sich ebenfalls. Das ist das Hausrecht der Nationen." „Bei einzelnen wie bei Nationen mag jeder selbst seines Glückes Schmied sein — nicht voa einem anderen sich das Glück nach fremden Anschauungen wie einen Regenschirm in die Hand drücken lassen. Wladislaw von Fedoro wicz.**) **) Wir entnehmen diese Aphorismen der von Dr. Heinrich Loewe redigierten Berliner „Israelitisctien Rundschau". REVUE DER PRESSE. Die „Times** publizieren unter dem Titel: Die Hirsch'schen Millionen folgenden Brief Israel Zangwills: Geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir in Kürze auf den Gegenstand der teilweise unrechten Verwendung der Hirsch'schen Millionen zurückzukommen. Auf meine in Ihren Spalten wiedergegebenen Anklagen ist von den Kuratoren keine Erwiderung versucht worden, während bei der letztwöchentlichen General- Versammlung der Anglo Jewish Association — der einzigen Gelegenheit im Jahre, wo die Vertreter des Kuratoriums gestellt werden können — eine Diskussion der von mir angeregten Fragen von dem Präsidenten mit der ausweichenden Einwendung hintertrieben wurde, dass ich nicht anwesend sei. — Ich bin gar nicht Mitglied der A. J. A. — Die Verteidigung, die Mr. Claude Montefiore in seiner präsidentiellen Ansprache versuchte, war von derselben wortspielenden Art. Der grösste Teil der Fonds der Ica, sagte er, ist zu gunsten der russischen Juden bestimmt. Wie kann dann das Geld in Palästina ausgegeben werden, von welchem Lande die russischen Juden ausgeschlossen sind? Ich habe auf diesen kindischen Witz bereits geantwortet. Es könnte ein Teil des Geldes dazu verwendet werden, ihre Zulassung in dieses Land zu sichern. Mr. Montefiore giebt auch zu, dass das für die Juden in der Türkei gespendete Geld nutzbringender als irgend wo und ohne jegliche amtliche Hindernisse verwendet ist. Mr. Montefiore ist auch nicht darauf begierig, die russischen Juden nach Argentinien zu exportieren, denn er sagt, dass die russisch-jüdische Frage nur in Russland selbst gelöst werden könne. Allein es war dies nicht die Ansicht des Baron Hirsch. Seine Idee war, die Juden aus Russland wegzuschaffen. Die Jüdische Kolonisationsgesellschaft (Jewish Colonisation Association) ist nicht die Jüdische Beschönigungsgesellschaft. Sie hat zu kolonisieren. Wenn sie das nicht ausführen kann, was Baron Hirsch gewünscht hat, so mögen die bisherigen Verwalter von ihren Stellen zurücktreten oder aber wenigstens die Stiftung ändern* Aber bei dem gegenwärtigen Stande des Vermächtnisses darf Mr. Montefiore das Geld des Baron Hirsch nicht dazu verwenden, um Mr. Montefiore's Ideen zu fördern. Die Jewish Colonisation Association ist eine öffentliche Körperschaft. Ich frage nun noch einmal: Warum zaudert sie, ihre Bilanz zu veröffentlichen? Ihr ergebener Israel Zangwill. # # ♦ Dr. ßloch's Wochenschrift veröffentlicht folgende Zuschrift: Wien. „Sehr geehrter Herr Doktor! Ihre geschätzte Wochenschrift bringt in der letzten Nummer eine Notiz, in welcher für die Auswanderung von Juden nach Südafrika Propaganda gemacht wird. Als Aufsichtsrat der einzigen grossen österr.-ungar. Unternehmung in Südafrika mit den dortigen Verhältnissen durch direkte private Berichte sehr vertraut, kann ich nicht laut genug datror warnen, dass sich's jemand einfallen lasse, derzeit seinen Weg nach Südafrika zu nehmen. Es stehen ihm die grössten Enttäuschungen bevor. Abgesehen davon, dass keinem Nichtengländer gestattet wird, von Kapstadt ins Innere weiter zu fahren, da selbst Engländer und Kapländer nur in limitierter Zahl und mit spezieller Erlaubnis der englischen Regierung nach dem Innern, insbesondere des Transvaal reisen dürfen, giebt es Weisse — Europäer — en masse dort, welche jede noch so schwere Arbeit anzunehmen bereit sind, ohne solche zu finden. Wohl werden jetzt Minenarbeiter aufgenommen, doch das können nur Schwarze, Kaffem und sonstige eingeborene Stämme sein, da nur diese die schwere aufreibende Arbeit in den Tausende Fuss tiefen Goldminen auszuhalten vermögen. Ergebenst: Eduard Glaser. Wir konstatieren, dass es sich hier nicht' etwa um veraltete Bestimmungen — etwa aus der Zeit vor dem Friedensschlüsse — handelt. Vielmehr ist es die letzte Ankündigung des Emigrants' Information Office vom 1. Juli 1902, welche dieses quasi Einwanderungsverbot enthält. Uebrigens erstreckt sich die Maassregel auch auf englische Unterthanen. Die Bestimmung beginnt mit den Worten: Es ist niemandem erlaubt in der Cap-Kolonie oder in Natal zu landen ohne einen (in London zu beschaffenden) Erlaubnisschein etc. Die Red.