Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- In der Synagoge [Illustration]
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 517 - 518 (sequence 1)
- Language
- German
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517 518 JACOB WEINLES (Warschau). In der Synagoge. EINIGE OEDANKEN UEBER DEN ANTISEMITISMUS. Von Mathias Ach er (Wien). Es gab eine Zeit, wo ich dem Judenhass mit einem gewissen Wohlwollen gegenüberstand. Mit einer Art Behagen sah ich seinem Treiben zu, fast freute ich mich seiner Erfolge und Fortschritte. Wenn ich diese Empfindungen nicht immer rund heraussagte, so war es nur aus einer Art taktischer Zurückhaltung, die ich mir auferlegen zu müssen glaubte, um nicht zu sehr bei denjenigen anzustossen, die ich für nationaljüdische Bestrebungen zu gewinnen hatte. Wie gerne hätte ich sie aber mit der vollen Wahrheit geärgert und ihnen zugerufen: Die bösen Buben haben ja ganz recht, ihre Beleidigungen mögen sich ja nicht lieblich anhören und sind in ihrer absoluten Form sicherlich unzutreffend, aber es sind doch auch nur die stammelnden Ausdrücke der sehr richtigen Empfindung, dass zwischen Juden und Nichtiuden eine unüberbrückbare Kluft gähnt, dass beide gegensätzliche Schönheits¬ und Sittlichkeitsideale haben. Sie haben recht und wir haben recht, und es ist gut, dass sie so wettern. Wir wissen jetzt wenigstens, woran wir sind; so lange ihre Abneigung still und schleichend war, wussten wir's nicht und besannen uns auch nicht auf uns selber. Diese meine damalige Ueberzeugung hatte ihren Ursprung in einer an sich sehr berechtigten Abneigung gegen die Gefühle, die dem landesüblichen Anti-Antisemitismus fast durchaus zu Grunde lagen und liegen. Ich musste und muss mich immer fragen: Warum sind die Leute so erbittert, da sie ja selbst nicht achten, was jene