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Ost und West · 1902-07-01 · Heft 7 (Juli 1902) · p. Seite 499 - 500

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 7 (Juli 1902)
Article
Persische Briefe
Date
1902-07-01
Page
Seite 499 - 500 (sequence 2)
Language
German
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499 Litterarisches, Miscellen und Aphorismen. 500 sich über die ganze Erde. Oder sie ist vielmehr eine Mutter, welche zwei Töchter geboren, die ihr tausend Wunden geschlagen haben; denn die nächstverwandten Religionen sind die bittersten Feindinnen. Aber wie übel sie auch von ihnen behandelt worden, wird sie doch nicht müde, sich zu rühmen, dass sie sie zur Welt gebracht hat. Sie bedient sich der einen wie der anderen, um die ganze Welt zu umfassen, während andererseits ihr ehrwürdiges Alter alle Zeiten umfasst. Montesquieu: Persische Briefe. 60. Brief. * Stahl, Der christliche Staat (1847). „Die Gemeinschaft mit christlich-germanischer Sitte und Bildung hat bei den Juden zunächst den alten Glauben erschüttert, ja man darf sagen, grösstenteils zerstört. Sie hat in das Reformjudentum, das kein Judentum mehr ist, hinübergeführt. Das aber ist keine Stätte, auf der das jüdische Volk dauernd verbleiben kann. Die völlige Leere und Wüste dieses selbstgemachten Kultus kann kein der Religion bedürftiges menschliches Gemüt, am allerwenigsten das tiefe religiöse Bedürfnis des jüdischen Stammes befriedigen. Dazu kommt die Geistlosigkeit des ganzen.Treibens, diese Ausschmückung mit den abgetragenen Kleidern germanischer Philosophie, diese tragikomische Mischung von Stücken modern belletristischer Sentimentalität und Stücken urheiliger hebräischer Gottesfurcht im Gottesdienst, woran auch schon die steigende Bildung Widerwillen empfinden muss." REVUE DER PRESSE. Die Frage der Judenwanderung. Im ungarischen Abgeordnetenbause gab es am 20. Juni eine Judendebatte. Der Abgeordnete Buzath von der (antisemitischen) Volkspartei verwies auf die grosse Bewegung, welche die durch die Verfolgungen in Rumänien und Russland 2ur Auswanderung gezwungenen Juden nach Ungarn führt. Die ungebildeten, moralisch und körperlich herabgekommenen Proletarier bedeuten für Ungarn eine grosse Gefahr, auf welche Redner um so mehr die Aufmerksamkeit der Regierung und der Legislative lenkt, da nach den Berichten der Zeitungen in nächster Zukunft wieder grosse Schwärme nach Ungarn zu kommen beabsichtigen. Er fragt den Ministerpräsidenten, was er gegen das massenhafte Eindringen rumänischer und galizischer Juden zu thun gedenke, und warum er nicht den schon in der Thronrede angekündigten Gesetzentwurf über die Einwanderungen einreiche. Ministerpräsident v. Szell beantwortet diese Interpellation sofort. Er verweist auf die Einwanderungsbewegung im Jahre 1900, als infolge des rumänischen Gewerbegesetzes massenhaft rumänische Juden ihr Land veiiiessen und die ungarische Grenze überschreiten wollten. Redner habe damals die Gefahr dieser Einwanderung erkannt und die Behörden angewiesen, diese mit allen Machtmitteln zu verhindern; da jedoch die rumänischen Behörden die zurückgewiesenen Juden wieder zurückdrängten, entstand eine unmögliche Lage, der Redner durch sofortige Verhandlungen mit der rumänischen Regierung ein Ende bereitete. Letztere verpflichtete sich, den rumänischen Juden, welche an der ungarischen Grenze zurückgewiesen werden, die Rückkehr ins Land nicht zu verwehren. Gleichzeitig erliess der Ministerpräsident eine Verordnung an die Behörden, in welcher die Frage, betreffend die Einwanderung rumänischer Juden, provisorisch geregelt wurde. Nach dieser Verordnung dürfen nur jene Juden aus Rumänien die Grenze passieren, die einen regelmässigen Reisepass nach einem ausländischen Bestimmungsorte besitzen und ein Reisegeld von 400 K. (Kinder unter 10 Jahren 200 K.) ausweisen können oder einen zur Reise ins Ausland lautenden Fahrschein eines Transportunternehmens oder einer Verkehrsgesellschaft in Händen haben. Diese Durchzügler werden in bewachten Waggons durch das Land transportiert und dürfen ohne Erlaubnis die Reiseroute weder unterbrechen noch abändern. Der Ministerpräsident erklärt, er habe auf die Nachricht von neuerlichen Einwanderungen diese Verordnung erneuert und die Behörden zur strikten Durchführung derselben angewiesen. Der Abg. Victor Pichler, welcher dem Ministerpräsidenten wiederholt zurief: „Man muss die rumänische Regierung zwingen, die Berliner Konvention einzuhalten," wurde dafür mit einem Ordnungsruf gemassregelt.

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