Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1902-07-01 · Heft 7 (Juli 1902) · p. Seite 497 - 498

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 7 (Juli 1902)
Article
Ein Urahne des Kriegsministers Ottolenghi
Date
1902-07-01
Page
Seite 497 - 498 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2583875-2583890-2583898-2585780--01894-2585867
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

497 Litterarisches. Miscellen und Aphorismen. 498 gelehrter, begründete um die Mitte des 16. Jahrhunderts zur Zeit des Papstes Paul IV. in Cremona ein Lehrhaus, das für das Judentum von um so grösserer Bedeutung ward, da es durch die Verbreitung jüdischer Wissenschaft den der Bekehrungssucht Paul IV. entspringenden Umtrieben ein Ziel setzte. Unter dem Protektorate des Statthalters von Mailand gab er auch mehrere hebräische Schriften heraus, die grossen Absatz im Morgenlande, Polen und Deutschland fanden, da damals in jenen Ländern die Herausgabe jüdischer Bücher verboten war. Er erwarb sich gleich grosse Verdienste um Litteratur und Wissenschaft. * * In seiner Schrift über „auffallend häufige Krankheitserscheinungen der jüdischen Rasse" (Wien 1902, J. L. Pollak) berichtet Dr. Martin Englaender über die Juden auf der Insel Curacao (Holländisch-Westindien) nach Angaben eines früher dort ansässigen Arztes (Dr. Gerstl) folgendes: Dortselbst lebt eine jüdische Kolonie, aus cirka 500—600 Seelen bestehend. Der Grundstock dieser Kolonie wanderte vor Jahrhunderten aus Spanien ein. Die Beschäftigung dieser Juden ist ausschliesslich Handel und Gewerbe, Ihre Lebensweise ist auch zufolge der dort herrschenden tropischen Hitze und der insularen Abgeschlossenheit eine ungünstige, obschon sie fast durchwegs pekuniär gut gestellt sind. Wegen der enormen Hitze machen sie wenig körperliche Bewegungen. Bei ihrem Geschäftsgange legen sie selbst die kleinsten Strecken im Wagen zurück. Daher ist auch Blutarmut (Anämie) und Fettsucht auffallend häufig unter ihnen anzutreffen. Auf der Insel abgeschlossen lebend, heiraten sie durchwegs untereinander und betreiben so Inzucht. Die Deszendenz ist daher meistens eine schwächliche, blutarme, bleichsüchtige, zu lymphatischen, d. h. skrofulösen Erkrankungen neigende. Fast in jeder Familie müssen die Kinder mit Zuhilfenahme von Leberthran und Nährpräparaten aufgepäppelt werden. Unter den Erwachsenen sind nervöse Erkrankungen aller Art, ferner die urathische Diathese, also Gicht, sehr häufige Erscheinungen. Auffallend häufig tritt unter ihnen die Zuckerkrankheit auf. — Bezüglich der letzterwähnten Erkrankung beschuldigt Herr Dr. Gerstl auch den überaus reichlichen Genuss an Süssigkeiten in verschiedenen Formen, teils als Ersatz von Fleisch und grünem Gemüse. Letzteres ist wegen der Dürre des . Landes sehr spärlich vorhanden und das Fleisch ist aus demselben Grunde sehr wenig schmackhaft. Es wird stets mit scharfen Gewürzen zubereitet genossen. Dieser Umstand, wie auch ein überaus grosser Konsum von Eis sind die Ursachen der ebenfalls sehr häufigen Magenkatarrhe. * * « „Unthätige Weltschau /und [müssige Kontemplation sind, dem israelitischen Geiste fremd. Ueberall im alten Testamente wird der Fleiss gepriesen und die Notwendigkeit der Arbeit hervorgehoben. Schon der erste Mensch lebt nach der israelitischen Urgeschichte nicht im Paradiese, um zu gemessen, sondern um zu arbeiten." Buhl, Die sozialen Verhältnisse der Israeliten (1896). p- Heinrich Heine, Gedanken und Einfälle. „Judentum — Aristokratie: Ein Gott hat die Welt erschaffen und regiert sie; alle Menschen sind seine Kinder, aber die Juden sind seine Lieblinge und ihr Land ist sein auserwähltes Dominium. Er ist ein Monarch, die Juden sind sein Adel, und Palästina ist das Exarchat Gottes. Christentum — Demokratie: Ein Gott, der alles erschaffen und regiert, aber alle Menschen gleich liebt und alle Reiche gleich beschützt. Er ist kein Nationalgott mehr, sondern ein universeller." * Andree, Zur Volkskunde der Juden (1881). „Arier und Semiten sind die einzigen Stämme der Erde, welche geschichtlich — im höheren Sinne — etwas geleistet haben, denn die Kulturleistungen der Ostasiaten oder gar der Kulturvölker des alten Amerika halten den Vergleich mit jenen beiden nicht aus; ein jeder dieser beiden grossen Stämme hat in gewissen verschiedenen Hauptrichtungen das seinige gethan." (S. 11.) „Beide Stämme (Arier und Semiten) erscheinen hochbegabt, aber sie sind in ihrer Begabung verschieden, und es findet zwischen ihnen eine wünschenswerte Ergänzung statt. Die Thatsache darf nicht unbeachtet bleiben, dass ein grosser Teil unseres abendländischen Geisteslebens von den semitischen Völkern seine Nährwurzeln erhalten hat. Von ihnen stammen die Alphabete, von ihnen Maasse und Zahlen, von ihnen unsere Religion. Bei aller grossen und tiefen Verschiedenheit, die wir nachdrücklich betonen, stehen unter den Rassen und Stämmen der Erde die Semiten den Ariern in Bezug aui inneres Geistesleben doch am nächsten, durch sie allein haben wir geistig uns ergänzt, während bei allen übrigen Rassen wir höchstens in Bezug auf materielle Dinge Entlehnungen machten." (S. 13.) * Die jüdische Religion ist ein alter Stamm, und die beiden Zweige, die er getrieben, der Muhamedanismus und das Christentum, erstrecken

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.