Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1902)
- Article
- Esra, der Schriftgelehrte [Illustration]
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 487 - 488 (sequence 1)
- Language
- German
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487 488 L. BERNSTEIN-SYXOYE. Esra, der Sehriftgelehrte. „Und als ich diese Sache vernommen, zerriss ich mein Kleid und mein Gewand und zerraufte das Haar meines Hauptes und Bartes und sass betäubt." (Esra IX, 3.) STERBEN. Von Lazare Felix Pinkus (Bern). Die arzeneigeschwängerte, trübe, dumpfige Luft eines Krankenzimmers. Die Sonnenstrahlen dringen matt, abgetönt durch die mit Jalousien verhangenen Fenster. Wie in grosser Müdigkeit spielen sie auf dem teppichbedeckten Fussboden, und ihre lebendige Frische, die ihnen sonst eigen ist, ist einer schlaffen Abspannung gewichen. Das Bett, das in einer Ecke des Zimmers halb in einem Alkoven steht, wird von den Strahlen nicht erreicht, so dass sich das blasse, leidendurchfurchte Gesicht des Kranken im dunklen Halbschatten von den weissem Linnen abhebt. Wie Todtenstille liegt es schwer über dem Raum. Diese schreckenstarre Stille wird nur durch das unheimliche Ticken der Wanduhr, das mitunter von dem rasselnden Atem des Kranken übertönt wird, unterbrochen. Der Kranke richtet sich langsam auf. Ein Seufzer aus der todesgequälten Brust, ein schweres Stöhnen, und schon eilt die Wärterin aus dem Nebenzimmer herbei, um dem Leidenden in seiner Qual zu helfen. Er ist in die Kissen zurückgesunken, matt, mit todesnahendem Ausdruck im Antlitz. Die Wärterin nimmt ein hölzernes Kruzifix mit dem Erlöser, das an der Wand hängt, herunter und legt es auf die Brust des Kranken; dann eilt sie leise auf den Zehenspitzen hinaus, um einen Priester zu holen, der den letzten Augenblicken des Sterbenden die köstliche, seligmachende Weihe erteilen soll. Und wieder tönt nur das Ticken der Wanduhr durch den Raum. Dann aber kommt ein wildes Fieber