Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1902)
- Article
- Richard Goldberg
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 447 - 448 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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447 G. Kutna: Richard Goldberg. 448 RICHARD GOLDBERG-LEOBSCIIUETZ. Gruppe aus dem Bilde „Betende Juden". der Sonne und flüsternd im Leben dort draussen in das eigenen Augenstrahl über die er im Louvre, stundenlang, tagelang, Hunger und Nöte vergessend, bis alle Farben sich in einander ergossen, alle Linien zusammenspielten, und alle individuelle Schönheit unbestimmt verklang. LTnd da sah er Werden des Künstlers und der Kuast Da war hier und dort ein dichtender Mensch, in dem sammelte es sich von der Dichtung seiner Zeit, und er ward übervoll der Lieder. Da „wollte er sich ein Gedicht von der Seele schreiben", gleichviel in welcher der Schriften der Seele. Und vergessen, mit gläubig gesenkten Lidern zog er eine Linie, erhaben rein, hold und keusch, im Traume hingehaucht; zartes Rot hauchte er darüber in harmonisch emKlang, und weich und gütig leuchtete daraus zwiefach ein segnendes Auge. Dann faltete er die Hände, die anderen falteten sie mit, und darauf sprachen sie leise das Amen. Und dies gleich, wes die Seele Nebel. Aber wie das eigene tauchen, wie den Dinge breiten? So sass RICHARD GOLDBERG-LEOBSCHUETZ. Studie zum Bilde „Betende Juden". und das Gedicht voll sei, was immer der Inhaltsei, dernach der Form verlangt, in der er ausklingt. Ein anderer sieht Waldesschatten und Sonnenspiel, Gewitterwolken und Zornesfalten oder Plunder und lehmigen Acker. Voll ist er davon, und Ausklang verlangt es. Also malt er, und dann wird es Kunst. „Er will gar nicht malen", nicht so malen; nur sagen will er, was er gesehen, wie er's gesehen, und dass er Schönes gesehen. So begann Goldberg zu malen. Er sah Dinge draussen und ihre Räume, plastisch, stofflich, gegenständlich. Aber die Masse, ihre Begrenzung und Färbung ist Vorstellung des Ursächlichen und nicht Inhalt der Impression. Man weiss, dass sie dahinter stecken, aber der Eindruck setzt sich nicht aus ihnen zusammen, sondern aus den Bewegungs- und Beleuchtungsmotiven ihrer Erscheinungsform. Alles ist durchwirkt und belebt, spielend und zitternd in Schatten und Licht, denn „die Sonne durchknetet den Misthaufen wie die Dame mit Brillanten". In diesen Linien ging Goldberg den Problemen