Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1902)
- Article
- Aphorismen / Thibault, Anatole Francois
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 427 - 428 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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427 428 APHORISMEN. .... Und wenn sie selbst Utopisten wären, wären sie deshalb weniger wert? Ohne die Utopisten von ehedem wTürden die Menschen heute noch in Höhlen leben. Die Utopisten haben die Pläne der ersten Stadt entworfen. Man muss die politische Partei bedauern, die keine Utopisten hat. Aus hochherzigen Träumen gehen wohlthuende Wirklichkeiten hervor. Die Utopie ist das Bild jeden Fortschritts und das Bild einei besseren Zukunft .... Anatole France. Was Europa den Juden verdankt? — Vielerlei Gutes und Schlimmes, und vor allem eins, das vom Besten und Schlimmsten zugleich ist: den grossen Stil in der Moral, die Furchtbarkeit und Majestät unendlicher Forderungen, unendlicher Bedeutungen, die ganze Romantik und Erhabenheit der moralischen Fragwürdigkeiten — und folglich gerade den anziehendsten, verfänglichsten und ausgesuchtesten Teil jener Farbenspiele und Verführungen zum Leben, in deren Nachschimmer heute der Himmel unserer europäischen Kultur, ihr Abend-Himmel, glüht, — vielleicht verglüht. Wir Artisten unter den Zuschauern und Philosophen sind dafür den Juden dankbar. Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse. Leipzig. C. G. Naumann 1891. # Es ist eine höchst oberflächliche und falsche Ansicht, wenn man die Juden bloss als Religionssekte betrachtet; wenn aber gar, um diesen Irrtum zu begünstigen, das Judentum mit einem der christlichen Kirche entlehnten Ausdruck als jüdische Konfession bezeichnet wird, so ist dies ein grundfalscher, auf das Irreleiten absichtlich berechneter Ausdruck, der gar nicht ge-: stattet sein sollte. Vielmehr ist „Jüdische Nation'" das Richtige. Die Juden haben gar keine Konfession: der Monotheismus gehört zu ihrer Nationalität und Staatsverfassung und versteht sich bei ihnen von selbst. Arthur Schopenhauer. (Parerga u. Paralipomena, Zur Rechtslehre und Politik; pag. 251, Hendel'sche Ausgabe). # Ich habe gefunden, dass gerade die Juden sich durch besondere Intelligenz und Befähigung für staatsmännische Wirksamkeit auszeichnen. . Reichskanzler Fürst O. von Bismarck im preussischen Abgeordnetenhause 30. Januar 1872. * Vom Standpunkt des Christentums, und wäre es auch nur von dessen Moral aus, heute gegen den Judenstamm auftreten, heisst, das Schädliche mit einem seiner eigenen Ausläufer, also wesentlich durch sich selbst unschädlich machen wollen Diejenigen, welche an der christlichen Ueberlieferung festhalten wollen, sind nicht im stände, sich mit Nachdrücklichkeit gegen das Judentum zu wenden. Dr. Eugen Dühring: „Die Parteien und die Judenfrage.'1 REVUE DER PRESSE. Die Neue Bayerische Landeszeitung (Würzburg, 25. Mai 02) kommt nach einem Artikel: „Zwei Judenprozesse" zu folgender redaktioneller Schlussfolgerung. Wenn man das Judentum, seine Stammesfehler und Charaktermängel rügt und angreift, darf man unseres Erachtens nicht, wie dies in den beiden vorliegenden Fällen geschah, mit ähnlichen Unarten, Makeln und Eigenschaften sich umgürten und z. B. alle Juden ohne Ausnahme als finnige Schweine mit dem Eselskinnbacken auf den Schindanger treiben wollen. Auch mit der Beschuldigung des „Ritualmordes" wird viel zu weit gegangen. Für uns ist es zwar zweifellos, dass Blutmorde aus Rassen- und Konfessionshafs, aus religiösem Fanatismus, Aberglauben und Irrwahn verübt werden, leider ist dies aber eine bei