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Ost und West · 1902-06-01 · Heft 6 (Juni 1902) · p. Seite 423 - 424

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 6 (Juni 1902)
Article
Israelitischer Volks-Kindergarten und Kinderhort [Nachricht]
Date
1902-06-01
Page
Seite 423 - 424 (sequence 2)
Language
German
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423 Litterarisches. — Miscellen. 424 Pläne wirken oft weiter, als alle ihre Einzelteile zusammengenommen. * * Die Juden in Gibraltar. In der Stadt Gibraltar und ihrer Umgebung giebt ■es gegenwärtig 9400 Juden, darunter 7000 eingeborene Spaniolen und 2400 eingewanderte, zumeist rumänische Juden. Sowohl die eingeborenen, wie die zugewanderten Juden erfreuen sich materiellen Wohlstandes und aller Bürgerrechte. In der Stadt selbst wohnen 3000 jüdische Seelen. Die spaniolischen Juden üben auf die Verwaltung dieser englischen Besitzung einen bedeutenden, dabei überaus segensreichen Einfluss aus. In dem Stadtrat von Gibraltar befinden sich die Juden in der Majorität. Die jüdischen Auswanderer aus Rumänien, die an Gibraltar vorbeireisen, werden dort stets in ausgiebiger Weise unterstützt. Der Präsident des Komitees zur Unterstützung der Armen, Bankier David Cuba, nimmt sich der wandernden Juden sehr liebreich an. Voriges Jahr sandten die spaniolischen Juden von Gibraltar für die in der Türkei, in Aegypten und England befindlichen rumänischen Juden über 3000 Dollars nach Konstantinopel und London. Die Zahl der Juden aus Russland beträgt in Gibraltar 96 Familien. HERMANN STRUCK. Verlags-Signet (der Firma S. Calvary & Co. zum 50jährigen Jubiläum — Mai 1902 — von ihrem Personal gewidmet). Das Israelitische Blinden-Institut in Jerusalem ersucht uns um Abdruck des folgenden Aufrufs: Seit Jahren grassiert hier die ägyptische Augen- Entzündung, welche leider eine grosse Anzahl von Opfern gefordert hat. Wie traurig auch das Schicksal der erwachsenen Personen ist, welche von dem furchtbaren Unglück der Erblindung betroffen sind, um so jammervoller und herzerschütternder ist das Los der Kleinen, welche, ihres Augenlichtes beraubt, ganz hilflos einem hoffnungslosen Leben entgegengehen-! Das überaus traurige Dasein dieser Kleinen zu erheitern und sie einer menschenwürdigen Ezrstenz zuzuführen, ist die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, und haben wir deshalb eine jüd. Blinden-Anstalt gegründet, in welcher diese Armen nicht allein eine zweckmässige Erziehung erhalten und in unserer Religion unterrichtet werden, sondern auch Schreiben und ein Handwerk erlernen. "Wir hoffen mit Zuversicht, dass unsere Zöglinge durch die Erlernung der Korbflechterei wie Anfertigung von Stroh-Hüten, Schnüren, Stricken, Teppichen u. s. w. im stände sein werden, sich nach ihrer Entlassung aus dem Institut redlich durch ihrer Hände Arbeit zu ernähren, ohne auf das Betteibrot angewiesen zu sein. Die segensreiche Thätigkeit, welche unsere Anstalt schon entfaltet hat, macht ihr alle Ehre. Um so bedauerlicher ist es, dass sie, bis jetzt ausschliesslich auf die geringen Beiträge unserer hiesigen Freunde angewiesen, immer mehr und mehr in Schwierigkeiten gerät, den vielen an sie herantretenden Anforderungen in gebührender Weise gerecht zu werden: ja ihr Fortbestand ist ohne den Beistand edler Menschenfreunde äusserst gefährdet. Dieser drohenden Gefahr entgegen zu treten und mit uns an der Erhaltung und Förderung unseres Liebeswerkes nach Kräften mitzuwirken, ist nun die innige Bitte, die wir im Namen so vieler Unglücklichen an Sie hiermit richten. Durch jeden Beitrag sowie durch Ihre gütige Verwendung bei Ihren Freunden zum Wohle unserer Zöglinge werden Sie sich ein Verdienst erwerben, das Ihnen und den Ihrigen gewiss den reichsten Segen Gottes ins Haus bringen wird! Mit diesem herzlichen Wunsche und Ihrer gütigen Unterstützung entgegensehend, welche sowohl durch direkte Quittung bescheinigt als auch in unserem Jahresbericht veröffentlicht werden soll, zeichnen Hochachtungsvoll Der Vorstand des jüd. Blinden - Instituts für Palästina. Dr. J. Krischewsky, A, M. Luncz, N. Nathansohn. Wir kommen der Bitte um Veröffentlichung dieses Aufrufes um so lieber nach, als es sich bei Bekämpfung der Augenkrankheiten in Palästina und ihrer Folgen um ein soziales Werk von grosser Bedeutung handelt. Besonders sympathisch ist uns natürlich, dass durch das genannte Institut die Zukunft der Unglücklichen gesichert erscheint. Die Adresse ist: Israelitisches Blinden-Institut für Palästina, Jerusalem (Palästina).

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