Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1902)
- Article
- Heine in Rumänien
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 421 - 422 (sequence 2)
- Language
- German
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421 Litterarisches. — Miscellen 422 unbedeutend geblieben ist. Die ersten Uebersetzungen erschienen bereits zu Lebzeiten Heines, in den vierziger Jahren, zunächst in den Zeitschriften der Siebenbürger Rumänen. Hier sind als Uebersetzer zu nennen: Josif Many, Josif Vulcan, später P. Dulfun, AI. Macedonschi, Bonachi und andere. In Rumänien selbst erschienen die ersten Heine-Uebersetzungen in den sechziger Jahren, darunter solche von A. Pileski, Pencioin, N. Skelittf, welcher neben noch manchen andern deutschen Dichtungen auch den ersten Teil von Goethe's ..Faust" seinen Landsleuten zugänglich gemacht hat; wertvolle Uebertragungen, allerdings nur einzelner Stücke, lieferten J. Negruzzi, auch Uebersetzer einiger Schiller'schen Dramen,- und O. Carp. Weit über der Masse der bisherigen Heine-Uebersetzungen steht nun als wirkliches Kunstwerk die neuerdings erschienene Sammlung des begabten jungen rumänischen Lyrikers St. O. Josif (Romante si cintece de Heine. Traducere in versure de St. O. Josif. Bucarest 1901). Josif is es gelungen, das Wesen der Heine'schen Poesie in Inhalt und Form ganz in sich aufzunehmen, es in rumänischen Klängen lebendig wiedererstehen zu lassen und so den Rumänen den echten Heine zu geben. Oscar S. Straus (s. d. Artikel „Ein jüdischer Diplomat" von M. Ka3rserling im Mai-Hefte.) Der im Jahre 1897 gegründete ..Israelitische Volks- Kindergarten und Kinderhort" zu Berlin verfolgt den Zweck, arme jüdische Kinder vom dritten bis vierzehnten Lebensjahre tagüber in Obhut zu nehmen und zu verpflegen, und durch geprüfte Kindergärtnerinnen unterrichten zu lassen. Es hat sich sehr bald herausgestellt, dass ein solcher Verein für die arme jüdische Bevölkerung Berlins eine Notwendigkeit sei, denn während in den ersten Jahren des Bestehens desselben nur 50—60 Kinder monatlich Aufnahme suchten, hat sich die Zahl in den letzten Jahren auf durchschnittlich monatlich 100 Kinder erhöht, wobei zu berücksichtigen ist, dass sich in der Zwischenzeit ein zweites Institut mit gleicher Tendenz gegründet hat, welches nicht minder von den Bedürftigen aufgesucht wird. Die erhöhte Frequenz ist leicht verständlich, wenn man erwägt, dass das Institut durch Beaufsichtigung, Verpflegung und Ausbildung der Kleinen, und zwar von früh 8 Uhr bis abends 7 Uhr, besonders auch die Eltern in den Stand setzt, ihrem Beruf und Erwerb ohne Sorge um ihre Kinder nachgehen zu können, wodurch sie in vielen Fällen davor bewahrt bleiben, anderweitige Unterstützung nachsuchen zu müssen. Der Verein, fast ohne Mittel ins Leben gerufen, wird lediglich durch Beiträge seiner Mitglieder erhalten. Die grösseren Ansprüche haben eine immer weitere Ausdehnung der Räumlichkeiten und Vermehrung der Lehrkräfte erforderlich gemacht, während infolge der schlechten Zeitläufte die Beiträge nicht besonders gestiegen sind. In Würdigung der Thätigkeit des Vereins hat es demselben zwar an Zuwendunneg und Spenden bei besonderen Gelegenheiten nicht gefehlt, indes ist man doch nach reiflicher Prüfung zu der Ueberzeugung gekommen, dass ein gesichertes Bestehen des Vereins nur erzielt werden kann, wenn es gelingt, demselben ein eigenes Heim zu schaffen, urasomehr als es fast unmöglich ist, wirklich geeignete Lokalitäten mietweise zu bekommen. Ein uns vorliegender Aufruf appelliert an die Mithilfe aller sozial denkenden Juden, um den Plan, dem Institute ein eigenes Heim zu bauen, ausführen zu können. Die Vorstandsmitglieder, Geheimer Sanitätsrat Dr. Ehrenhaus, Roonstr. 10, Frau Justizrat Rosenheim, Kaiser Wilhelmstr. 39, Frau Elise David, Alexanderstr. 26, sind bereit, nähere Auskünfte zu erteilen und Beiträge in Empfang zu nehmen. Uns will es scheinen, dass eine Erweiterung dieses Planes, nämlich das Projekt eines „jüdischen Hauses", welches nidit nur dem Kinderhort, sondern gleichzeitig auch anderen Institutionen, wie der für Oktober in Aussicht genommenen Berliner „ Toynbee-Halle", der ..jüdischen Lesehalle und Bibliothek", dem „Arbeitsnachweis" und anderen eine würdige und zweckmässige Unterkunft böte, sehr viel mehr Aussicht hätte verwirklicht zu werden. Damit soll nicht gesagt sein, dass wir die Ausführbarkeit des kleineren Planes, der uns von Herzen sympathisch ist, bezweifeln — wir meinen nur, dass für das grössere Unternehmen sich leicht Freunde und Gönner aus den verschiedensten Kreisen, von den verschiedensten Gesichtspunkten aus werden finden lassen. — Die grossen