Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1902)
- Article
- Brief aus der Heimat [Illustration]
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 371 - 372 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- illustration document
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- Odesa 1× ep/1000834
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371 372 L. PASTERNAK. Brief aus der Heimat (GALERIE TRETJAKOFF, MOSKAU.) L. PASTERNAK. Biographische Skizze von Pawetti, ^Moskau. Leonid Ossipowitsch Pasternak wurde 1862 in Odessa in einer massig bemittelten jüdischen Familie geboren. Einer Familientradition zufolge sollen seine Vorfahren spanischen Flüchtlingen in Padua entstammen, welche im 18. Jahrhundert nach Galizien — wo sie den Familiennamen Pasternak erhielten — und später nach Odessa gezogen sind. Sein Vater besass eine grosse Dosis Lebenslust und galt als Spassvogel, dessen angeborenes Schauspielertalent sich häufig in gelungenen Scherzen und Nachahmungen Luft machte. Die Mutter dagegen, welohe aus einer kleinen, südrussischen Stadt gebürtig war, war eine tiefinnerliche, poetische Natur von wahrer Herzensgüte. Pasternak scheint somit vom Vater dessen gesunde Frohnatur und die Gabe des raschen Erfassens jedes charakteristischen Zuges, von der Mutter — die Liebe zur Natur und die intime, poetische Note seiner Kunst ererbt zu haben. Die Kinder- und ein Teil der Schuljahre verflossen inmitten eines belebten Gasthauses,, dessen ungeheurer Hof eine kleine Welt für sich bildete und wo es immer von Pferden, Wagen, Haustieren. Kindern und Reisenden wimmelte. Dieses bunte, stets wechselnde Bild südrussischer Bauern, Kaufleute und Gutsbesitzer aus der Umgegend war wohl nicht ohne Einfluss auf das frühzeitige Erwachen der Zeichenlust des aufgeweckten Knaben, und der Schatz lebensvoller Jugendeindrücke mag auch dem reifen Künstler manchen guten Dienst erwiesen haben. Gleichzeitig mit dem Gymnasium besuchte Pasternak die Odessaer Zeichenschule, wo sein Talent schon allgemeine Aufmerksamkeit erregte, und als Abiturient zog er dann nach Moskau aut die Universität. Zwar besass auch Odessa eine solche,, aber die Moskauer Malschule übte auf den angehenden Kunstjünger eine starke Anziehungs-