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Ost und West · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. Seite 355 - 356

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
Jozef Israels / Fritz Stahl
Date
1902-05-01
Page
Seite 355 - 356 (sequence 2)
Language
German
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355 Miscellen. — Aphorismen. 356 Jetzt hat er ein Bild gemalt, in dem alles ist, was in ihm lebt. Jene wundervolle Scene, die er in seinem Buche „Spanien." -erzählt. Wie er einen uralten Thoraschreiber trifft, in einem alten flaus einer alten Stadt und wie die beiden Sprösslinge desselben Volkes, die eine Welt scheidet, sich in der Sprache ihrer Väter verständigen. Der Denker hat die weltgeschichtliche Perspektive dieser Scene verstanden, der Poet ihre Stimmung, der Maler hat ihr die malerischen Reize abgelauscht. Dieses Bild ist ein Porträt des alten Israels, weit über die gewöhnliche Bedeutung des Wortes hinaus. . . . Fritz Stahl. (Aus d. Berliner Tageblatt.) Wir führen heute einen der jüngeren jüdischen Schriftsteller, H. D. Naumberg, bei unseren Lesern ein. Ein ausgesprochenes Talent, obwohl seine Entwickelung noch nicht abgeschlossen ist. Naumberg, so jung er ist, hat schon seine eigene Note. Was ihn charakterisiert, ist sein intimes Verhältnis zur Natur und ein liebevolles Vertiefen in die Psychologie seiner Charaktere. Vollends eigene Töne hat er für das Naivkindliche und Märchenhafte gefunden. Wir werden noch Gelegenheit haben, auf den jungen Warschauer Schriftsteller ausführlicher zurückzukommen, für heute verweisen wir auf die „Geschichte eines Kindes": „Zwischen Vater und Mutter", die so recht für Skizze von S. Kischinewsky (Odessa) für „Ost und West" gezeichnet. S. Kiscbinewsky, über dessen Arbeiten wir bereits im ersten Jahrgang unserer Zeitschrift (Heft VIII) einen ausführlichen Artikel (von J. Sacker) veröffentlichten, ist soeben mit der Leitung der diesjährigen Odessaer Kunstausstellung betraut worden. Auf derselben sind ausser Kischinewsky noch mehrere jüdische Künstler vertreten. seine Eigenart bezeichnend ist. Ein Buch gesammelter Erzählungen Naumberg's in autorisierter deutscher Uebertragung wird von Berthold Feiwel vorbereitet, von welchem auch die vorliegende Arbeit übersetzt ist. APHORISMEN. Die Macht der Rasse muss dem einleuchten, der den Vorgang der Artenbildung und -Ausbildung durch Vererbung kennt. Wenn sich unter der meisselnden Hand der äusseren Natur ein gewisser Rassentypus bildet, durch Inzucht und Blutvermischung modifiziert und befestigt hat, dann kann er eine solche Kraft erhalten, dass er trotz aller Abänderungen in einem gewissen Ausmaasse bis in die fernsten Zeiten getragen wird. Ein Schulbeispiel hierfür — ich könnte auch ein anderes wählen, aber keines liegt uns so nahe — sind die Juden. Seit zwei Jahrtausenden gruppenweise über die Welt verstreut, in diesen ihren einzelnen Gruppen verschiedenen Klimaten, verschiedenem Bluteinschlag, verschiedenen Kulturen und Ideen ausgesetzt, macht sich in ihrem körperlichen und geistigen Habitus doch eine noch immer beträchtliche Summe von Eigenheiten geltend, und ist es ebenso selbstverständlich, als jeden Tag neu erwiesen, dass diese ihre Rasseneigenart ein Faktor in ihrer eigenen und ihrer Mitmenschen Geschichte ist. Mathias Ach er. # Der, welcher die Wahrheit sucht, ist der Schwächste unter den Schwachen, weil er beinahe allein ist. George Sand. * Wahrheiten können nur dann in die Ueber Zeugungen der Menschen übergehen, wenn sie beständig wiederholt werden. ManzonL

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