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Ost und West · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. Seite 333 - 334

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
Skizze [Illustration]
Date
1902-05-01
Page
Seite 333 - 334 (sequence 1)
Language
German
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333 33+ ^1* fc*^ ."o^ * <^—■> 2 f $a^.JL' I T£ Skizze von Jozef Israels gezeichnet für „Ost und West". JUEDISCHE STATISTIK UND IHR WERT. Von Mathias Ach er (Wien). In der vorigen Nummer von „Ost und West" war ein Aufruf des „Komitees zur Errichtung eines Bureaus für Statistik des jüdischen Volkes" veröffentlicht. Da ich diesen Aufruf mitunterzeichnete, bin ich wohl mitverantwortlich für denselben. Ich will diese Verantwortung auch nicht von mir abwälzen. Aber es ist klar, dass man einen fertig vorgelegten Aufruf, mit dessen Zweck und Tenor man einverstanden ist, unterzeichnen kann, auch wenn er nicht alles so sagt, wie man es gesagt sehen möchte. Man lässt wohl auch nebensächliche Redewendungen, für die man nicht ganz einstehen möchte, ruhig hingehen, um das ohnehin umständliche Verständigungsverfahren nicht noch weiter zu verwickeln. Um so stärker ist dann aber das Bedürfnis, vor die Oeffentlichkeit hinzutreten und seine Meinung des genaueren auszuführen. Indem ich mich hierzu anschicke, bemerke ich, dass das Thema eine doppelte Betrachtungsweise zulässt, je nachdem nämlich die Frage der Durchführbarkeit und ein etwaiger Durchführungsplan oder die Frage nach dem Werte des Unternehmens erörtert werden soll. Was die erste Aufgabe betrifft, so kann ich nicht umhin, hier hervorzuheben, dass die Ausführung des Planes viel mehr Apparat und Mühe und daher Geld erfordert, als sich die meisten Unterzeichner des Aufrufes vorzustellen scheinen. Doch will ich auf diesen Punkt hier nicht weiter eingehen, da ich mir seine Besprechung für einen andern Ort*) aufspare. An dieser Stelle möchte ich vielmehr bloss die Wertfrage behandeln. Eigentlich nimmt zu dieser Frage schon der Aufruf Stellung, und zwar mit folgenden Worten: ,. Desto wichtiger erscheint jetzt die Aufgabe der ') In den in Aussicht genommenen Publikationen des im Texte genannten Komitees. Statistik des jüdischen Volkes in einem Augenblick, da die nationale Bewegung Positives leisten soll und will. Wie soll ihr das aber möglich sein, wenn sie das Material, mit dem sie arbeiten muss, nicht kennt. Wie sollen soziale Massnahmen getroffen werden, solange die wirtschaftliche und kulturelle Struktur der Bevölkerung nicht festgestellt ist, solange man nicht weiss, wie das jüdische Volk ökonomisch und intellektuell beschaffen ist. Anders sind wir nicht in der Lage, das gewaltige Problem der Juden frage der Lösung näherzubringen. Wir dürfen nicht experimentieren und womöglich fehlschlagende Versuche anstellen. Wenn wir am Körper des Volkes eine Operation vornehmen, muss wissenschaftlich exakt die Diagnose vorher gestellt sein." Zweifellos wird mit diesen Sätzen der Statistik eine Wertung zu teil, die in solcher Uneingeschränktheit auf vielen Widerspruch stossen muss. Es kommt aber sehr viel darauf an, wie dieser Widerspruch gemeint ist. Bezieht er sich bloss auf die Rangstufe der Statistik im System der Wissenschaftsmethoden, dann mag er ja theoretisch berechtigt sein. Im gegebenen Falle aber ist er ohne Belang, weil es den Anregern der jüdischen Statistik doch nicht darauf ankam, ihre Stellung in einer allgemein wissenschaftlichen Streitfrage zu kennzeichnen, sondern einfach darauf ihr Projekt mit möglichst kräftigen Worten zu empfehlen. Der Widerspruch kann aber auch einen anderen Grund haben. Er kann weniger gegen die Ueberschatzung des methodischen, als vielmehr des in Hinsicht auf das Ziel praktischen Wertes der Statistik gerichtet sein. Der Widerspruch will dann etwa soviel bedeuten, als: „Ach, geht mit Eurer Statistik! Wenn man bei einer Volkskrankheit warten wollte, bis die

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