Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ISRAELS-NUMMER. OCTjwfe st: V ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR MODERNES JUDENTUM.- Herausgegeben unter Mitwirkung von Künstlern, Gelehrten und Schriftstellern von DAVIS TRIETSCH und LEO WINZ. Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 5 Mai 1902 II. Jahrg. JOZEF ISRAELS. Von Dr. G. Kutna. Manchmal geht man im Leben vorüber und denkt an kein Weilen. Da fällt der Blick wie zufällig — oder zufällig — zur Seite, und wir hasten nicht mehr. . Es ist eine Erscheinung von flüsternden Wesen, die uns berührt, ein spielendes Kinderpaar, ein pflügender Landmann, ein grünender Halm, und doch muss das laute Getriebe vor ihr verstummen. Denn das Laute ist nicht stark, es will stark sein, die starken Mächte aber sind die stillen. Sieht man nun hin, wo ein solcher Vorgang ebenen, pathosfernen Lebens sich abspielt, und thut's mit willigem Auge, dann kommt das grosse Sinnen über uns. Um die alltäglichsten Dinge legt sich zaubervoll ein Schleier, sie werden immer bedeutsamer lehrend in der Betrachtung und bekommen solch tiefen Lebenssinn, dass blühende Schönheit in die Seele zieht, und tiefe Andacht sie beglückend adelt. Und sieht man das Leben mit solchem Auge, mehr und oft und immer, dann ist das Philosophie. Das Monumentale, Brausende, Weltgeschichtliche verliert von seiner überragenden Geltung, aber nur weil das Kleine vertiefte Bedeutung gewonnen, und die Tiefe ist allemal so stark als der Schwung. Und daraus lässt sich Trost ziehen, und zum Schutze wird es gegen manche Wunde des Lebens, denn das, was die Stärke einzig überwindet, ist ja immer, was zart ist an Wesen. Israels erzählt einmal von einem Landsmann, den er in Spanien antrifft, der sagt ihm: „Es ist hier prächtig, aber kein wahrer Holländer wird je in einem andern Lande heimisch werden. Ja, wenn ich so daran denke, dass ich kalt und hungrig zu meiner Mutter in Rotterdam nach Hause kam, dann stand auf dem Tisch ein Schellfisch und eine grosse Schüssel dampfender Kartoffeln, und sie sass da —. „Hier holte er wahrlich sein Taschentuch hervor und wischte sich die Augen. —" Das ist Israels, und das ist "ein Bild von Israels einmal in Worten. Kalt und hungrig und Schellfisch und Kartoffeln! Und doch, wie ist das herzensschön und wie traut und wie sehr Poesie! „Und sie sass da —Ja, so sitzen sie auch bei Israels, diese Mütter und Frauen, und flicken Strümpfe und Netze und braten Fische und schüren die Kohlen, und um sie sind russige Kessel und alte Besen und Kohlendampf und Gerümpel. Das sind so die Dinge, die Israels malt. Aber wie malt er sie? In diesem Wie liegt der Zauber. Das ist alles von Seele um-