Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- Dierick (Dirk) Bouts (um 1400-1475): "Feier des Passahfestes"
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 275 - 276 (sequence 2)
- Language
- German
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275 Miscellen. 276 weiter fragt, sondern freudig geniesst und fast mitglaubt. Die Männer haben ihre Judenmützen auf, den Mantel um, die Stöcke in der Hand; so soll es ja sein: „Und also sollt ihr es essen, eure Lenden gegürtet, eure Sandalen an den Füssen, und euern Stab in der Hand; und in Eile sollt ihr es essen, es ist Pessach des Herrn." Und die Brote sind auch da, das Lamm und das Bitterkraut. Damit ist dem Realismus genüge gethan. Und jetzt kommt des Künstlers seliges Träumen. Jetzt malt er die Gestalten in verlorenem Schauen, irgendwo hinträumend, fromm, unbewusst, im Halbschlaf der Gedanken, bis der Jüngling über den Hof geschritten ist und sie an die „Eile" mahnt, damit sie ziehen. Und da hat er Gelegenheit, Hände zu malen, und das thut er gern, er malt sie von allen Seiten, und auch schöne malt er darunter. Die Frauen haben dieselben Hände wie die Männer, aber sie sollen doch anders sein, verlangt der Realismus, so malt er sie etwas geziert. Und dann das Uebrige, alles peinlich ausgeführt bis ins Kleinste, und alles mit Liebe gemalt, wie man das bei van Eyck lernen konnte. Und schliesslich die Farbe! Daran hat er die grösste Freude. Es sind volle, warme Farben darunter, wie das Blau des Mannes neben dem Hausherrn, und wieder fein nuancierte, wie das spielende Grün an der Frauengestalt im Vordergründe neben dem leuchtenden, frischen Rot des Aermels und Saumes. So unvermittelt kühl die Farben sich auch oft zu einander verhalten, so erfreuend wirkt doch der Glaube des Künstlers an seinen Kolorismns. Denn was uns diese Kunst in erster Linie wert macht, ist ihre Naivität. K. * Der Palästina-Wein; Aus dem Märzheft der Zeitschrift „Palästina" reproduzieren wir die folgenden Daten über die Beteiligung der jüdischen Kolonien an der Weinproduktion und -Ausfuhr des hl. Landes, Es wird dort nach deutschen und spanischen Konsularberichten dargestellt, wie ausserordentlich der Weinbau im hl. Lande — besonders seit Errichtung der jüdischen Kolonien, neben denen die Weinproduktion der deutschen Templer-Kolonien kaum mehr ins Gewicht fällt — gestiegen ist. An die Ernte des Jahres 1900, die sich auf ca. 80 000 hl belief, ist Rischonle-Zion allein mit 35 000 hl beteiligt. Sonst entfallen von grösseren Ziffern auf die jüdische Kolonie Rosch-Pinah 10 000 hl. Ebensoviel auf Jerusalem. Mit je 8000 hl sind angeführt die jüdische Kolonie Samarin und die deutsche Ansiedelung Sarona. Die übrigen angegebenen Posten sind erheblich kleiner und interessieren hier nicht. Nur 21% wurden von der Ernte des Jahres 1900 exportiert, und zwar 9300 hl nach Deutschland und 5000 hl nach Aegypten. Sonstige Importländer waren Grossbritannien, Russland, Frankreich und Belgien, die aber zusammen mit nur 2400 hl auf der Berechnung des spanischen Konsulats figurieren. Als Durchschnittswert der Palästina-Weine ergiebt sich nach der gleichen Aufstellung ziemlich genau 200 Francs per Hektoliter. Es ist etwas befremdlich, dass ein so vorzüglicher Wein, wie der des hl. Landes anerkanntermassen ist, seinen Produzenten so ausserordentlich wenig einbringen soll (200 Francs Exportwert bedeutet, dass die Kolonisten Weinkellerei in Richon-Le-Zion. noch erheblich weniger für ihre Ernte bekommen; die Kosten der Weinbereitung, die in den grossen Kellereien von Rischon-le-Zion und Rosch-Pinah u. s. w. vor sich geht, sowie der Transport nach den Häfen sind recht wesentlich). Der Wein erzielt — besonders auf dem europäischen Markte — recht angemessene Preise und sollte auch den Kolonisten besser bezahlt werden. Auffällig ist der hohe Anteil Aegyptens an dem Verkauf unserer Palästinaweine. In manchen Jahren hat derselbe schon dem Quantum nach die halbe Ausfuhr Palästinas erreicht, allerdings meist in den billigeren Sorten. In Alexandria befindet sich ein musterhaftes Depot, und es ist für den jüdischen Reisenden ein interessanter Anblick, jüdische „fliegende Weinhändler" in den Strassen dieser orientalischen Grossstadt anzutreffen, auf deren „Sweaters" in grossen Lettern das Wort „Rischon-le-Zion" eingewebt ist, ähnlich wie die Bediensteten der grossen Reise-Agenturen (Cook's, Gaze's etc.) ihre Firma auf der Brust tragen. Diese jüdischen Wein-Hausierer tragen in beiden Händen mächtige Weinkrüge und rufen strassauf und strassab ihre Ware aus. . . . Zahlreiche Spezial-Gesellschaften, wie „Karmel" (Warschau), „Palästina" (Berlin), „Eljadah" (Hamburg) und an vielen anderen Orten, beschäftigen sich mit dem Verkauf dieser Weine und erzielen schon jetzt bedeutende Umsätze. Da viele dieser Geschäfte noch recht neue Gründungen sind, so steht zu hoffen, dass der Weinverkauf noch erheblich grössere Dimensionen annehmen wird, so dass bald zu einer weiteren Ausdehnung der Pflanzungen geschritten werden kann. Da noch vor sehr kurzer Zeit so grosse Bestände in den Kellereien lagerten, dass an ihrer Absatz möglich-