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Ost und West · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. Seite 271 - 272

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
Litterarisches / Lessing, Theodor
Date
1902-04-01
Page
Seite 271 - 272 (sequence 1)
Language
German
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271 Litterarisches. 272 Im Anschluss an das in unserem Märzhefte veröffentlichte Jugendgedicht Friedrich Hebbels: „Der Jude an den Christen" können wir auf eine uns zugegangene kleine Monographie hinweisen, „Friedrich Hebbel und die Juden" von Dr. Adolf Biach, Rabbiner in Brüx. Preis 20 kr. Das Heft, das der israelitischen Kultusgemeinde in Brüx gewidmet ist, trägt zusammen, was bei Hebbel an Beziehungen zu Juden und Judentum aufzufinden ist; kann also als Ergänzung zu S. Lublinskis Analyse der jüdischen Charaktere bei Hebbel gelten. Wir glauben damit nichts Neues oder Wesentliches über den grossen Dichter zu erfahren. Auer die grossen Männer lassen viele Betrachtung zu. Es schadet einem Hebbel nicht, wenn man ihn auch einmal durch diese Brille gesehen hat .... Von demselben Herrn Verfasser geht uns eine Schrift über Mdimonides zu, ein Beitrag zum jüdischen Geschichtsunterrichte an Mittelschulen; Herrn Rabbiner Dr. Lewy in Breslau gewidmet. Die Schrift giebt eine kurze Biographie. Ihr sind sehr geschickt und glücklich gewählte Proben eingefügt aus dem Kommentare zur Mischnah, dem Mischne Thora, dem More Nebuchim und einem Briefe des Maimonides. Die Schrift ist durchaus geeignet, Lernenden die erste Bekanntschaft mit Maimonides zu vermitteln. Th. Lessing. Die Hauptpersonen des Richterbuches im Talmud und Midrasch. I. Simson, von Dr. J. S. Renzer. Berlin, S. Calvary & Co. 1902. Wenn die Bibel als das göttliche Buch verehrt und geschätzt wird, so verdankt sie es zum guten Teil der biblischen Personen und der Art, wie diese in ihr geschildert werden. Aber wenn auch der Grundcharakter der biblischen Gestalten in der heiligen Schrift gekennzeichnet ist, so hat doch jede Zeit diesen Personen ihr Gepräge aufgedrückt und so das Zeitliche: die durch die Zeitverhältnisse bedingte Auffassung, durch die Verbindung mit dem Ewigen verewigt. Die Kenntnis dieser Vorstellung von den biblischen Typen dient nicht bloss zum Verständnis dieser Gestalten nach den verschiedenen Seiten hin, sie wirft auch gleichzeitig Schlaglichter auf das Kulturleben der Zeit, in der diese Vorstellungen Gemeingut des Volkes waren. Die wichtigste Quelle in dieser Beziehung für die Dauer eines Jahrtausends ist unstreitig der Talmud und Midrasch. Darum begrüssen wir freudig das Erscheinen der obengenannten Arbeit, die das ganze agadistische Material in Betreff „Simsons" in übersichtlicher Weise geordnet, unter Berücksichtigung mancher patristischen und arabischen Quellen, enthält. Denn es ist kein Leichtes, das Labyrinth des Talmud und Midrasch zu durchwandern, um das spärlich zerstreute und in den entferntesten und ungeahntesten Gängen und Schlupfwinkeln versteckte Material aufzulesen und zusammenzutragen. Insbesondere müssen wir die sprachlichen Vorzüge dieser wissenschaftlichen Arbeit, die in der Einleitung speziell wahrgenommen werden, hervorheben. Der Verfasser versteht es, seinem wissenschaftlichen Gegenstand eine gefällige und lebendige Form zu verleihen, so dass auch Laien diese Arbeit mit Interesse lesen werden. Als eine glückliche Idee müssen wir die Forderung des Autors bezeichnen, dass man endlich daran gehe, die Agada des Volkes zu bearbeiten, um den poetischen Produkten des gesamten Volksempfindens, der Volkssage, die in diesem Meere der Agada begraben ist, zu ihrem Rechte zu verhelfen. Durch eine solche Arbeit wären wir im Besitze des klassischen Teiles der Agada, der auf unsere Dichter und Künstler eine befruchtende und anregende Wirkung ausüben könnte. Möge es dem Autor vergönnt sein, diesen Schatz zu heben. UNSERE PREISAUSSCHREIBEN. Die in unserer früheren Ankündigung (in Heft 2 unserer Zeitschrift, Seite 129—130) noch nicht publizierten Namen der Preisrichter bringen wir hierdurch zur Kenntnis unserer Leser. Es haben sich zur Uebernahme dieses Amtes in dankenswerterweise bereit erklärt: für das literarische Preisausschreiben die Herren: Berthold Feiwel, Berlin, Dr. Theodor Lessing, München, Fabius Schach, Karlsruhe; für das künstlerische Preisausschreiben die Herren: E. M. Lilien, Berlin, Hermann Struck, Berlin, Lesser Ury, Berlin. Wir sprechen den genannten Herren für ihr freundliches Entgegenkommen unseren Dank aus und sehen der Einsendung der Arbeiten entgegen. Der Einlieferungstermin bleibt unverändert. Der Verlag der Zeitschrift „Ost und West". S. Calvary & Co., Berlin NW., Neue Wilhelnistr. 1.

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