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Ost und West · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. Seite 261 - 262

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
Passah
Date
1902-04-01
Page
Seite 261 - 262 (sequence 1)
Language
German
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261 262 Passah. Aus dem Jüdischen des Morris Rosenfeld übersetzt von Berthold Feiwel. I. Der Ruf. Es klingt ein Rufen, stark und hell, Eine Stimme von hohem Thron: „Steh auf! Steh auf! Umgürte dich schnell, Und nimm deine Leier, Sohn! Währt lange nicht genug die Nacht? Nun setz der Nacht ein Ziel! Es schläft mein Volk, dass es erwacht, Spiel auf ein Wecklied, spiel! Spiel auf das Lied, das ich dir sag', Und sing es nah und weit: Bald wird es Licht, bald wird es Tag, Es kommt die neue Zeit. Ich bring' zurück das alte Glück, Die Knechte werden frei: Zerpflücken will ich im Augenblick Die Ketten der Sklaverei. Zu schrecklich war der Leiden schon, Das über'm Volke lag, Geendet sei's! Bei meinem Thron Beschwör' ich den neuen Tag." . . . Ich stehe auf. Es treibt mein Blut, Die alte Zagheit weicht — Es brennt in junger Glut mein Muth Und macht mich stark und leicht. Wie wird, der alten Fesseln los, Meine Seele licht und weit, — Wie klingt doch, Gott, dein Wort so gross, Wie flammt es in Herrlichkeit! Ich singe das Lied voll Glanz und Glut, Und singe das Ende der Pein, Wie ist es doch so gut, so gut, Dein Sänger, Gott, zu sein! II. G Steht auf vom Schlaf, steht auf, erwacht! Im fernen Osten, seht, Bricht an der Tag in voller Pracht, Die Schrecken fliehn, es weicht die Nacht, Und Gottes Ruf ergeht. Steht auf, steht auf! In neuem Glanz Die alte Stadt ersteht, Die stummen Trümmer werden ganz, Ins Haar flicht Zion sich den Kranz, Und Gottes Ruf ergeht. Lied. Steht auf, steht auf! Ein linder Wind Um den Moriah weht, Ihr wäret taub und wäret blind, Jetzt fängt das Leben an, geschwind! Denn Gottes Ruf ergeht. Ihr wälzt im Fluchbett Euch umher Und wimmert ein Gebet? Auf, auf! Der Mutter bangt so sehr. „Ich denk' der alten Schuld nicht mehr,44 Des Vaters Ruf ergeht.

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