Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Über J. G. von Bloch
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 133 - 134 (sequence 2)
- Language
- German
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133 Literarisches. 134 einen Laien eine terra incognita war, ein Enthusiasmus, eine Ausdauer, eine Opferfreudigkeit, wie man sie sonst bei Niemandem zuvor gesehen hat — unwillkürlich empfängt man hier den Eindruck, als ob ein alter, jüdischer Volksgedanke, eine Jesaiah'sche Idee im Herzen eines Sohnes unseres Stammes wieder aufgelebt hat. In den allerletzten Jahren gewann J. G. v. Bloch Interesse auch für die Zionsidee. Früher skeptisch, grübelnd, wurden doch seine Sympathien mächtig angeregt. Leider zu spät! Der Tod überraschte ihn in der Mitte seiner begonnenen Arbeiten. An seiner Bahre wird dem Sohne des Lomzäer Färbers die Schwäche der Assimilation nicht angerechnet werden. So schwinden unsere Kräfte, so untergeht fast spurlos was die angesammelte, tausendjährig potentielle Energie der jüdischen Rasse, was jüdischer Fleiss geschaffen, durch den Mangel einer nationalen Grundlage! Bloch war trotz seiner Assimilation einer der besten Halbjuden: ein heller jüdischer Geist, ein warmes, jüdisches Herz, ein praktisches Genie und ein Dichter. So stirbt ein Geschlecht, so schwinden unsere Kräfte, so welken die Golath-Blüten hin. Und so werden sie hinwelken, so lange wir nicht ein Stück Boden unter den Füssen und eine Spanne Himmel über den Köpfen haben werden. Doch schön sind diese Blüten, schön und poetisch. Die Poesie der Auflösung, des Sonnenuntergangs." ..Die %Grenzboten4' veröffentlichen einen Artikel ,.Nationa]itätskämpfe''f, aus dessen erstem. Kapitel „Grundbegriffe" wir einige interessante Stellen zitieren: Nation wird häufig als Synomym für Volk behandelt, ohne dass sich beide Worte genau decken . . . Volk ist eine Gesamtheit von Menschen, die durch irgend ein einigendes Band verbunden sind: das Volk eines Landes, einer Provinz, einer Stadt findet sein einigendes Band im landschaftlichen oder örtlichen Zusammenwohnen, mag dabei der Ursprung der Einzelnen noch so verschieden sein . . . Im Gegensatz dazu ist die Nation eine Gesamtheit von Menschen, die durch die Gemeinschaft ganz bestimmter Merkmale verbunden sind. Das Merkmal, an dem man die nationale Zugehörigkeit am leichtesten erkennt, ist die Sprache. Gleichwohl ist der Begriff der Nation nicht genau bestimmt durch die Gesamtheit aller Menschen, die ein und dieselbe Sprache reden. Einen im Kindesalter nach Deutschland gekommenen Neger, der seine Heimatssprache verlernt hat und nur noch deutsch redet, wird darum wohl niemand als einen Angehörigen unserer Nation anerkennen. Hier wird die.Gleichheit der Sprache überwogen durch die Verschiedenheit der Abkunft. Gemeinsame Herkunft ist demnach neben der Sprachgleichheit ein entscheidendes Merkmai der nationalen Zugehörigkeit. Aber auch hier kann man nicht den Satz aufstellen: Alle Menschen, die derselben Herkunft sind, sind einer Nation. Die in Deutschland eingewanderten Hugenotten sind unbestreitbar französischer" Herkunft; gleichwohl gehören sie nicht der französischen, sondern der deutschen Nation an. Andererseits haben gerade wir Deutschen durch Abgabe zahlreicher Angehörigen an andere Nationen von den ältesten Zeiten an die schwersten Einbussen. erlitten. Die Nachkommen aller derer, die in Amerika, Australien und nicht zum wenigsten in Europa selber als deutscher , Kulturdünger" das Blut anderer Nationen aufgefrischt haben, sind zwar deutscher Abkunft, aber der deutschen Nation sind sie längst verloren gegangen. . . . Es darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass, wenn z. B. auch die Kinder der bei uns eingewanderten Hugenotten zum Teil noch rassenreine Franzosen waren, sie sich doch grösstenteils mit Deutschen vermählten, und also ihrerseits nur noch halbblütige Kinder erzielten. In der folgenden Generation überwog schon das deutsche Blut, und es kam mit jeder späteren, auf deutschem Boden geschlossenen Familien Verbindung der Alleinherrschaft näher. Bei den deutschen Abkömmlingen der französischen Hugenotten ist demnach eine genealogische Wurzel in französischem Erdreich, aber weit mehr andere sind in deutschem Boden entsprossen. End wenn heute die französische Abkunft dieser Landsleute von uns noch so lebhaft empfunden wird, so hat das seinen Hauptgrund in der Erhaltung des französischen Familiennamens. Dem Blute nach :<lm\ sie ebenso wenig französisch wie die Angehörigen irgend einer Familie mit deutschem Namen, in die im 17. oder IS. Jahrhundert einmal eine Französin hineingeheiratet hat . . . AVenn dergestallt durch Blutmischung Verschiedenheiten der Abstammung ausgeglichen werden können, so bleiben auf der anderen Seite diese Verschiedenheiten und Gegensätze von Bestand, wo eine Blutmischung nicht geschieht. Die nun schon viel länger als tausend Jahre über die Länder Europa s zerstreuten Juden haben zwar allerorten durch das lange Zusammenwohnen die Sprache der jeweils herrschenden europäischen Nation angenommen; aber eine Blutmischung mit dieser ist nur in Ausnahmefällen "geschehen. 1 >er Gegensatz der Abkunft ist darum noch heute so handgreiflich, dass er meist schon in der äusseren Erscheinung auf den ersten Blick in die Augen fällt. Und sogar in Familien, in denen schon mehrere Generationen hintereinander Blutmischung mit Ariern vorgekommen, ist treten nicht selten urplötzlich atavistische Rückbildungen ein. in denen der schon nahezu verschwundene semitische Typus wieder mit allen seinen charakteristischen Zügen deutlich erscheint. Solche Beobachtungen lassen sich in so auffallender Form natürlich nur da machen, wo ein weit auseinanderklaffender l nterschied der Abkunft im Spiel ist. . . Dass im Gegensatz hierzu die unter uns lebenden Juden trotz der Annahme unserer Sprache von unserer Nation immer noch durch eine tiefe Kluft getrennt sind, liegt nicht an dem Zwiespalt der Herkunft allein. Denn wenn auch der deutsch sprechende Jude der Herkunft nach uns ferner steht als etwa ein Pole, oder ein Franzose, so ist uns sein Ursprung doch auch nicht fremder als der eines Finnen oder Magyaren. Was seinen gänzlichen Lebergang in unsere Nation verhindert - hat, ist in viel höherem Maasse die Verschiedenheit der Religion: durch sie vor allem ist das Konnubium und damit die Blutmischung verhindert worden. Ohne den religiösen Zwiespalt hätte der Rassengegensatz hei all seiner Grösse und Schärfe nichts daran ändern können, dass eine sich allmählich steigende Blutmischung die zerstreuten Bestandteile des Judentums völlig mit den umwohnenden Nationen verschmolzen hätte. <&<&c&>*&