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Ost und West · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 115 - 116

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Die Frankfurter Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunst-Denkmäler
Date
1902-02-01
Page
Seite 115 - 116 (sequence 1)
Language
German
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115 116 DIE FRANKFURTER OESELLSCHAFT ZUR ERFORSCHUNG JUEDISCHER KUNST-DENKMAELER. Zwei stattliche Quarthefte liegen uns vor. Schon der Umschlag — in den jüdischen Farben, blau und weiss, — lässt erkennen, dass hier weder Sorgfalt noch Kosten gescheut wurden, um eine gediegene, stilgerechte Publikation zu bieten, und der Inhalt des Heftes entspricht ihrem vornehmen Aeusseren. Es sind Heft 1 und 2 der Mitteilungen der genannten Gesellschaft. Die hauptsächlichsten Satzungen der seit kurzem in Frankfurt a. M. als Verein eingetragenen Gesellschaft sind die folgenden: 1. Gegenstände und Abbildungen von jüdischen Kultus- und Kunst-Gegenständen für Synagoge und Haus und Abbildungen von Synagogen, besonders aus alter Zeit, und vornehmlich von solchen, welche sich durch Schönheit der Form und technische Vollendung auszeichnen, zu sammeln; 2. das gesammelte Material in geeigneter Weise dem wissenschaftlichen Studium, den Künstlern und dem Publikum zugänglich zu machen; 3. für die Erhaltung alter jüdischer Kunst- Denkmäler zu wirken; 4. künstlerische Bestrebungen zur Herstellungjüdischer Kultus- und Kunst-Gegenstände zu fördern. Das vor mehr als Jahresfrist erschienene erste Heft der Mitteilungen spricht von Zwecken und Zielen der Gesellschaft und illustriert seine Ausführungen durch 23 meist ganz vorzügliche Abbildungen aus den verschiedenen Stoffgebieten, denen die Gesellschaft ihre Aufmerksamkeit zuwendet. Sehr interessant schildert der Verfasser der Schrift, Direktor Frauberger, (Düsseldorf), wie ihm vor sechs Jahren die erste Anregung zu den Arbeiten kam. welche später zur Gründung der Gesellschaft führten. Er schreibt wörtlich: „Gegen Ende des Jahres 1895 wurde ich ersucht, bei der Beschaffung eines Entwurfes zu einem Umfassungsgitter für ein jüdisches Grab behilflich zu sein. Als ich den Architekten bat, bei seinem Entwürfe jüdische Symbole zu verwenden, erklärte er; dass er keine kenne. Eine Verweisung an die reiche Vorbildersammlung des Düsseldorfer Kunstgewerbemuseums hatte nur den Erfolg, zu zeigen, dass sie nach dieser Richtung eine empfindliche Lücke hatte. Nach Tausenden zählten die Vorlagen für die katholische und evangelische Kirche. Sehr reich war sie an Vorbildern für den mohammedanischen und buddhistischen Kultus, obwohl weder Mohammedaner noch Buddhisten am Rheine wohnen; für die in Rheinland und Westfalen wohnenden Juden war dagegen nicht gesorgt; nur fünf Blätter (unter 30 000) stellten ältere Synagogen dar; diese^ waren für die betreffende Frage ohne Wert." Er schildert weiter, wie er schliesslich einiges Material aus den Publikationen der anglo-jüdischen historischen Ausstellung von 1887, aus dem Pariser „Musee Cluny" und aus den damals gerade in Vorbereitung befindlichen Wiener Arbeiten, die zur Gründung des dortigen -jüdischen Museums führten, zusammenstellen konnte. Weiter lesen wir, wie dem Autor durch die Munifizenz des Herrn Charles L. Hallgarten in Frankfurt a. M., die Beschaffung einer Handbibliothek und sonstiger Vorarbeiten ermöglicht wurden, und wie diese Vorarbeiten bald darauf die Gründung der „Gesellschaft zur Erforschungjüdischer Kunstdenkmäler" zur Folge hatten. Die Denkschrift zählt die verschiedenen Hauptthemata auf, mit denen die Gesellschaft sich beschäftigen will: Bauten, Plastik, Malerei, dekorative Kunst, Kultusgegenstände für Synagoge und Haus, verzierte Schriften, Bucheinbände etc. Die Mittel, welche zur Erreichung der vorgesteckten Ziele führen sollen und grossenteils schon in Angriff genommen "wurden, sind die Folgenden: Sammlung von Einzelblättern, — Anlegung einer Büchersammlung — Handschriftensammlung — Sammlung von Original - Gegenständen — Ausstellungen jüdischer Kunstgegenstände — eine jüdische Denkmälerstatistik — Publikationen der Gesellschaft — Vorträge — Auskunftsbureau — Preisausschreiben. Das zweite Heft der Mitteilungen hat schon ein Spezial-Thema: Bau und Ausschmückung alter Synagogen. Der Text wird durch 44 Illustrationen erläutert, deren Ausführung und Zusammenstellung wieder eine ausserordentlich sorgfältige ist. Besonders fallen auf die alten palästinensischen Synagogen von Tiberias (am Grabe des Rabbi Meir) und die von Meron bei Safed (am Grabe des Simpn ben Jochai). Auch die moscheeähnliche Jerusalemer Synagoge ist vorzüglich wiedergegeben. Weiter sind vertreten Svnaooo-en der alten italienischen Gemeinden, * o o _ polnische Synagogen in Holz und Stein, sowie die berühmten Wormser, Prager und Frankfurter Synagogen. Es folgen prachtvolle Innenansichten, besonders der Synagogen von Padua und Toledo. Nach den vorliegenden beiden Heften dürfen wir mit Spannung den weiteren Publikationen der Gesellschaft entgegensehen, von denen zu wünschen wäre, dass sie einander in kürzeren Intervallen folgen, Bei der Kostspieligkeit dieser Arbeiten wird sich dies freilich nur durch eine rege Beteiligung der interessierten Kreise bewerkstelligen lassen, doch ist das Thema der jüdischen Kunst in der letzten Zeit so vielfach aufgegriffen worden, dass wir nicht zweifeln, dass die thatkräftige Unterstützung eines so notwendigen und schönen Werkes nicht ausbleiben wird. Wir werden bei späterer Gelegenheit noch des öfteren auf die Arbeiten und Anregungen der Frankfurter Gesellschaft hinweisen und hoffen dazu schon demnächst in einem Aufsatze über jüdische Kunstausstellungen Gelegenheit zu finden. D. T.

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