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Ost und West · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 85 - 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Die "Jeschibah" [Illustration]
Date
1902-02-01
Page
Seite 85 - 86 (sequence 1)
Language
German
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H1RSZENBERG. DIE „JESCHIBAH" DAS JUDENTUM UND Von Dr. S. : n. Nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus und noch mehr nach dem unglücklichen Ende des Hadrianischen Krieges (135) begann die lange, lange Leidensgeschichte des jüdischen Volkes. Und während die Juden, nach allen Himmelsrichtungen zerstreut, unter schweren Prüfungen und Drangsalen ihr Dasein fristeten, konnten sie natürlich nicht daran denken, die Geschichte dieser Leidenszeit zu schreiben. „Wenn wir all unser Ungemach verzeichnen sollten", heisst es im Munde eines berühmten jüdischen Lehrers, „so kämen wir damit niemals zu Ende." Es lässt sich nicht verschweigen, dass den Juden zumeist der geschichtliche Sinn abhanden gekommen war. Alle Ereignisse wurden von der Sage beherrscht, Ort und Zeit wurden nirgends genau bestimmt und festgehalten; alle Einzelheiten flössen ineinander, und das, was sich zur Zeit des Hadrianischen Krieges ereignete, wurde um Jahrhunderte, in die Zeit der babylonischen Eroberungen, zurückversetzt. Nebukadnezar, Titus, Kaiser Hadrian, oder auch irgend ein anderer Dränger Israels — das Volk wusste sie nicht von einander zu trennen. Und schliesslich kam es auch auf die Person des Feindes nicht an; alle haben sie den jüdischen Stamm schwer SEINE GESCHICHTE. Berufe Id. bedrückt. Den geschichtlichen Kern dieser Sagen festzustellen, das war später die schwierige Aufgabe der modernen Geschichtsforscher. "Während des Mittelalters las der jüdische Stamm selten Bücher geschichtlichen Inhalts, mit Ausnahme der historischen Schriften der Bibel. Ausserdem besass man den sogenannten ..Josippon", ein Buch, das einen Teil der geschichtlichen Bücher Josephus Flavius enthält, mit vielen sagenhaften Zusätzen. Der eine Vorzug dieses Buches besteht in seinem fliessenden hebräischen Stil. Auch das Buch „Jaschar", das sich als ein altes gab, in Wahrheit aber etwa dem neunten oder zehnten Jahrhundert angehört, bot eine sagenhafte und volkstümliche Erweiterung der biblischen Geschichte. Etwas später, als bei den Juden unter islamitischer Herrschaft der wissenschaftliche Sinn erwacht war, kam das chronologische Werk des Religionsphilosophen Abraham Ibn-Daüd (in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts), ,.Das Buch der Ueberlieferung", zustande. Man kann dies nicht als eine historische Schritt bezeichnen, da es weiter nichts als eine trockene Aufzeichnung bietet. Aber sein Verdienst besteht darin, dass manches geschichtliche Ereignis, das wahrschein-

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