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Ost und West · 1902-01-01 · Heft 1 (Januar 1902) · p. Seite 65 - 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 1 (Januar 1902)
Article
Eine Bauernfeld-Reminiscenz.
Date
1902-01-01
Page
Seite 65 - 66 (sequence 2)
Language
German
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65 Miscellen. —Apüorismen. 66 Hoffnung auf den Messias und auf das jüdische Reich aus den Gebeten wegzulassen sei. So macht man jetzt Religion/ * Arthur Markowicz, der junge Künstler, dessen „Melamed" wir in diesem Hefte reproduzieren, ist ein vielversprechendes Talent und wir weisen um so lieber auf ihn hin, als er vornehmlich, wenn nicht ausschliesslich, jüdische Stoffe behandelt. Der Künstler ist in Krakau geboren, wo er die Kunstschule besuchte, und hält sich zur Zeit in Paris zum Zwecke seiner weiteren Ausbildung auf * Einige seiner Arbeiten waren in Krakau und München ausgestellt, wo sie vielfach Beachtung fanden. Auch den „Salon des Artistes Francais" hat er im Vorjahre beschickt. Wir hoffen, unseren Lesern gelegentlich weitere Arbeiten des jungen Künstlers vorführen zu können. Jüdischer Verlag. Wie wir erfahren, hat sich ein Komitee, bestehend aus den Herren Martin Buber, Berthold Feiwel, E. M. Lilien und Dr. Alfred Nossig, zur Gründung eines jüdischen Verlages zusammengethan. Aus dem uns vorliegenden Prospekte entnehmen wir: „Der Jüdische Verlag ■ unternimmt es, den tiefen Bedürfnissen — der Schaffenden einerseits, des Volkes andererseits — Erfüllung zu bringen. Keine anderen als diese nationalen und kulturellen Beweggründe sind bei der Begründung des Jüdischen Verlages massgebend gewesen. .... Die für die Publikationen des Verlages entscheidenden Grundsätze sind folgende: 1. Alle Verlagswerke werden in jeder Hinsicht — soweit als erforderlich, unter Hinzuziehung erster Fachleute — aufs Sorgfältigste ausgewählt. 2. Alle Verlags werke, auch die einfachsten und billigsten, werden in einer Weise, wie sie noch von keinem jüdischen Verlage angestrebt wurde, gedruckt und ausgestattet und sollen so schon durch ihr Aeusseres erzieherisch wirken." .... Nähere Auskünfte erteilen vorläufig die Herren Berthold Feiwel (Berlin, Schönebergerstr. 2) und Martin Buber (Wien IX, Porzellangasse 38). Wir können das Unternehmen, welches ja ganz den litterarischen, künstlerischen und kulturellen Zielen nachstrebt, die auch unser Organ sich gesetzt hat, nur aufs Wärmste empfehlen. Zur besonderen Genugthuung gereicht es uns, in den Begründern des neuen Verlages unsere geschätzten Mitarbeiter begrüssen zu können. APHORISMEN. Jeder echte Staatsmann dient dem Volke nicht um Lohn, auch nicht um den Lohn seiner Liebe, sondern giebt die Gunst der Zeitgenossen hin für den Segen der Zukunft, und vor allem für die Erlaubnis, seine Nation retten und verjüngen zu dürfen. Mommsen, Rom. Gesch. Bd. 2, S. 479. * Das glänzende Traumbild versinkt, und unser geblendetes Auge findet sich wieder, wohl oder übel, in der Nacht der "Wirklichkeit zurecht. Langsam beginnen wir Umrisse zu unterscheiden, leise Umrisse, schwankende Linien, huschende Schatten, und ein winziges verlorenes Fünkchen glüht. Vielleicht ist es vom jüdischen Herdfeuer! Von demselben, das, von mehr Glück entfacht, als eines grossen Volkes Wahrzeichen heute zum Himmel lodern würde, heiss und prächtig. Quaerens. # „Reisst den Menschen aus seinen Verhältnissen, und was er dann ist, nur das ist er.* Seume. Nirgends aber, selbst in dem religiös und sittlich so hoch begabten Volk der Inder, nirgends kommt es zu der klaren und unerschütterlich sicheren Erkenntnis, dass das, was die Gottheit eigentlich verlangt, ganz und gar nichts anderes sei als die Erfüllung aller sittlichen Forderungen. Nur in einem kleinen Lande der grossen, weiten Welt reift diese erhabene Erkenntnis, nur in einem Volke werden Religion und Moral in konsequenter und ewig giltiger "Weise miteinander verknüpft. Dieses Land ist Palästina, dieses Volk ist Israel. Dr. M. Joseph. (Die Sittenlehre des Judentums.) * Allen christlichen Völkern wurde die Religion mit Feuer und Schwert aufgezwungen, nur den Juden erwuchs sie als etwas Organisches. Deshalb kann man wohl bei den Völkern des Christentums nationales Leben vom religiösen sondern, bei dem jüdischen Volke aber fällt mit dem Nationalen zugleich auch das Religiöse. Lazare Felix Pinkus.

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