Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Ost und West
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 3 - 4 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ost und West. Künstler jüdischen Stammes, die mehr und mehr sich jüdischen Stoffen zuwenden und in ihre Schöpfungen nichtjüdischen Inhalts mehr und mehr von ihrer jüdischen Eigenart hineinarbeiten. Und ebenso mehren sich die Kunstwerke, die dem Beschauer beim ersten Bücke sagen, dass nur ein jüdischer Künstler sie geschaffen haben könnte — ein Künstler jüdischen Stammes, der nur als solcher sich fühlt, und nur in jüdischen Werken sein Bestes zu geben vermag. Aber auch in literarischer Beziehung haben wir einen neuen Typus jüdischer Zeitschriften, schaffen wollen, und glauben, dass es uns geglückt ist. Wenn auch eine absolute Gleichwertigkeit der Beiträge nicht möglich ist, so sind wir doch bestrebt gewesen, alles Einseitige, Parteimässige und Kleinliche aus unseren Heften fernzuhalten. Es ist uns im grossen und ganzen gelungen, eine Zusammenstellung von Aufsätzen zu bieten, deren Aktualität keine im Moment vorübergehende war, sondern die unabhängig vom Erscheinungstag und -Ort ein bleibendes Interesse haben für Juden überall. Wir sind bemüht gewesen, durch eine gewisse Vielseitigkeit des Stoffes alle diejenigen zu interessieren, welche in den bisherigen jüdischen Zeitungen zu wenig Allgemeines und zu viel parteilich und lokal Begrenztes zu finden gewohnt waren. Wir haben auch Anerkennung gefunden — die wertvollste sogar, die uns manches Mal unerwartet kam, und auf die wir deshalb besonders stolz sind: die Anerkennung unserer Fachgenossen. Jüdische Zeitungen aller Arten und ihre Leiter haben in der Oeffentlichkeit und in privaten Aeusserungen uns ihr Lob gezollt, so freudig uneingeschränkt, dass oftmals wir die strengeren Richter sein mussten. Wir wissen, dass manches hätte besser sein können, wir zweifeln aber nicht, dass die Erfahrungen, die wir gemacht haben, sich darin äussern werden, dass der zweite Jahrgang, in den unsere Zeitschrift nunmehr tritt, auch unsere eigenen Anforderungen besser erfüllen wird. Zum Schlüsse wollen wir nicht unterlassen, an dieser Stelle unseren herzlichen Dank auszusprechen denen, die sich mit uns bemüht haben, unsere Zeitschrift zu einem Faktor jüdischen Lebens zu machen. Unseren Künstlern und Schriftstellern gebührt dieser Dank, sowie den zahlreichen Ungenannten, deren Mitarbeit darin bestand, uns Freunde zu werben und so den Anregungen, die von uns ausgingen, zu immer grösserer Wirkung zu verhelfen. Die weitere thätige Mitwirkung unserer Freunde vorausgesetzt, hoffen wir, dass unser neues Jahr einen noch grösseren Schritt als das eben abgeschlossene bedeuten möge auf dem Wege zu dem Ziele, das uns und allen guten Juden teuer ist, zu jüdischer Solidarität, zu einem starken selbstsicheren Judentum.