Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Der "Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands"
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 951 - 952 (sequence 2)
- Language
- German
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951 Miscellen. — Aphorismen. 952 rung des Bodens leicht bewirkt werden kann. Der Preis beträgt 70 500 M. Allerdings müssen zum Ausland Umbau der Gebäude, zur Verbesserung des Viehstandes, für weitere Meliorationen etc., mit einem Worte: zur Umgestaltung Neuhofs in eine Musterwirtschaft noch grössere Summen hineingesteckt werden, jedoch sind diese nach dem übereinstimmenden Urteil der zu Rate gezogenen Fachleute durchaus gesichert; nach einer vorsichtigen Rentabilitätsberechnung wird sich das Kapital mit mindestens 4% verzinsen. Das Gut wird von einem Administrator verwaltet werden: mit der Einstellung der Eleven wird man im Frühjahr n. J. beginnen'; später sollen diese als selbständige Bauern angesiedelt werden. Hiermit hat der ßodenkulturverein einen grossen Schritt, vorwärts gethan. Er darf mit Recht für sich den Ruhm beanspruchen, ein soziales Werk ersten Ranges eingeleitet zu haben. Er wendet sich jetzt unter Beifügung einiger Gutachten mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit, sein Unternehmen durch Zeichnung von Anteilscheinen (ä 500 M.) der von ihm begründeten Bodenkulturgesellschaft m. b. H. zu unterstützen und zu fördern. Wir glauben und hoffen zuversichtlich, dass der Aufruf lauten Widerhall in den jüdischen Kreisen Deutschlands finden wird. Der Versuch, den der Bodenkulturverein unternimmt, ist von allergrösster Bedeutung für die deutsche Judenheit. Gelingt er, so wird er zweifellos eine immer anwachsende Nachahmung finden. Auf diese Weise würde organisch ein gesunder jüdischer Bauernstand in Deutschland erstehen, der zugleich das stärkste Bollwerk gegen antisemitische Schmähungen sein und die feste Garantie einer wirtschaftlichen Erstarkung vieler heute sinkender jüdischer Existenzen bieten würde. Wir wünschen daher dem Vorgehen des Vereins aus vollem Herzen Glück! # Max Nordau's „Conventionelle Lügen" und „Paradoxe" erscheinen soeben in einer neuen Auflage (R. Elischer Nachfolger, Leipzig). Diese beiden Bücher gehören zu den verbreitetsten der Welt. Von ersterem kamen bisher in der deutschen Originalausgabe 53 000 Exemplare in den Handel; an Uebersetzungen erschienen nicht weniger als 13 — die meisten davon in mehreren Auflagen — und zwar: 3 englische (1 Londoner, 2 amerikanische), 1 französische, 1 spanische (21 Auflagen), 1 italienische, 1 portugiesische, 1 schwedische, 1 holländische, 1 dänische, 1 japanische (der Uebersetzer, Sekretär der japanischen Gesandtschaft in Washington, wurde wegen dieser Uebersetzung von seinem Amte enthoben). Das deutsche Original wurde ausserdem in Amerika in zahlreichen Auflagen nachgedruckt. Von „Paradoxe" erschienen deutsch 7 Auflagen in 26O0O Exemplaren, ferner 10 Uebersetzungen, und zwar ins Englische 2, ins Französische, Italienische, Spanische, Portugiesische, Schwedische, Russische (4 Auflagen von 12 000 Ex.), Rumänische und Hebräische je eine. Beide Bücher haben seit ihrem Erscheinen nicht aufgehört, Gegenstand lebhafter, oft leidenschaftlicher Erörterung zu sein. Heine ist so stark, dass er heute noch sein Denkmal in Deutschland dauernd verhindert. Wilhelm Bölsche. (Hinter der Weltstadt.) #„ Es giebt keine Majorität gegen das Gewissen. Jules Simon. # Das Schicksal des jüdischen Volkes ist vielleicht das erschütterndste Drama der Weltgeschichte. "Wenn die griechischen Tragiker vorzugsweise die Hybris, den übermütigen Missbrauch der Gewalt, als das dunkle, die Menschen ins Verderben ziehende Verhängnis darzustellen pflegen, so tritt uns in den Schicksalen dieses Volkes eine, ich möchte sagen mittelalterliche Hybris, als der schwer auf ihm lastende Fluch entgegen, eine Hybris, gemischt aus religiösem Fanatismus, gemeiner Habgier und instinktartiger Rassenabneigung. Sie war das Ergebnis jenes sittlichen und intellektuellen Gebrechens, welches viele Jahrhunderte lang auf den Höhen der Menschheit wie unten in der Menge gleichmässig geherrscht hat, zum Teil noch in weiten Kreisen o * vorhanden ist, wenn auch jetzt durch Sitte, Furcht und öffentliche Meinung gebändigt. Dieses Gebrechen war und ist, kurz ausgedrückt der Mangel des Gerechtigkeitssinnes. Wir kennen sie, jene Mächte und ihre Werkzeuge, welche auch heute noch in allen ersinnlichen Wendungen und Verhüllungen, stets den einen Gedanken wiederholen: Wir allein sind im Besitz der vollen, Rettung bringenden Wahrheit, und darum muss uns auch alles gewährt werden und alles uns erlaubt sein, was