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Ost und West · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. Seite 941 - 942

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Ptolemäus giebt den Juden die Freiheit [Illustration]
Date
1901-12-01
Page
Seite 941 - 942 (sequence 1)
Language
German
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941 942 N. Coypel. Ptolernäus giebt den Juden die Freiheit. HEBRAEISCH NACH DER BERLITZ-METHODE. Von Dr. E. Simonson, Schöneberg-. Die Juden haben sich jederzeit durch die Fähigkeit ausgezeichnet, fremde Sprachen leicht zu erlernen. Eine dreitausendjährige Gewöhnung hat diese Gabe zu einer Vollkommenheit emporentwickelt, welche heute nur noch bei den Japanern ihresgleichen findet. Die centrifugale Bewegung im jüdischen Volke, welche mit der Welthandelspolitik Salomos begann und seitdem nie wieder ganz zum Stillstand gekommen ist, hat wenigstens in dieser Beziehung Gutes gewirkt, indem sie das Sprachgefühl unseres Stammes mehr und mehr zur Entfaltung brachte. "Wenn von den Synhedrien aus der Zeit der Mischnalehrer berichtet wird, ihre Mitglieder hätten 70 Sprachen verstanden, so haben wir als Kern des so ausgeschmückten Berichtes die Thatsache anzusehen, dass darauf gehalten wurde, dass im Schoosse dieser obersten Behörde die Kenntnis aller damaligen Kultursprachen vertreten war. Ganz im Sinne dieser Anschauungen heisst es auch im Talmud, nur derjenige sei ein Gebildeter bezw. könne seine eigene Sprache richtig verstehen, welcher sich mindestens eine fremde Sprache angeeignet habe. Bekannt genug ist es auch, in wie hohem Maasse die Juden in der Diaspora zu allen Zeiten, von Philo bis Chajim Steinthal und Daniel Sanders, an der Entwicklung und wissenschaftlichen Erkenntnis der herrschenden Kultursprachen mitgearbeitet haben. Nicht mit Unrecht konnte daher Max Nordau vor einigen Jahren in einem in Berlin gehaltenen Vortrage sagen, eine Sprachschwierigkeit werde bei Lösung der Judenfrage nicht vorhanden sein: „Für Leute, die bloss mit ihrem Jargon ausgerüstet nach London kommen und in drei Monaten leidlich, in zwei Jahren wie Eingeborene englisch sprechen, die in Argentinien landen und nach einem halben Jahre mit den Gauchos fliessend spanisch plaudern, giebt es eine Sprach Schwierigkeit einfach nicht." Nur einer Sprache gegenüber versagt dieses treffliche jüdische Sprachgefühl, versagt der Mut, sich an ihre Erlernung heranzuwagen: vor der hebräischen. Vor der heiligen Sprache haben die westeuropäischen Juden eine heilige Scheu. Wie wenige mag es wohl unter den deutschen Juden geben, welche eine Ahnung von der gewaltigen Renaissance haben, die die hebräische Sprache im Laufe des letzten Menschenalters erlebt hat und täglich erlebt? Ein neues Blühen hat an dem alten tast erstorbenen Baume begonnen, verheissungsvoll zeigen sich mit jedem Tage neue Blüten und Früchte, und die „heilige" Sprache ist aut dem besten Wege, wieder eine Volkssprache zu werden. Auf allen Gebieten geistiger Bethätigung, in Poesie und Prosa, zeigt sich neues Leben, „das Blühen will kein Ende nehmen." Von der poesiereichen Prosa eines Abraham Mapu, welche in ihrer Lieblichkeit an das Buch Ruth gemahnt, können wir aus der deutschen Uebersetzung leider nur eine unvollkommene Vorstellung gewinnen; staunend sehen

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