Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Die Menorah
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 923 - 924 (sequence 1)
- Language
- German
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923 924j& Die JMenoraK j& j& Dich grüss' ich, Menorah, Wie strahlst du so licht! Du, Sinnbild der Thora, Ermahnst uns zur Pflicht. Die Lehre, die hehre, Hat Geister erhellt, Der Menschheit zur Ehre, Zum Heile der Welt. Wir wollen zusammen Lichtspendend uns weih'n, Wie Flammen an Flammen Zur Feier sich reih'n. Noch mächtig auf Erden Herrscht nächtiger Wahn — Hell soll es werden — Auf, schaffet daran! Und leuchtend bewähre Allzeit sich die Saat Der herrlichen Lehre Durch edelste That. So strahlet ihr Flammen Ins Dunkel hinein; Wir stehen zusammen, Lichtspender zu sein. Emil Lehmann. DAS CHANUKKA - FEST. Von Dr. S. Bernfeld. Im jüdischen Kalender sind zwei Feste verzeichnet, die beide an geschichtliche Ereignisse anknüpfen, aber verhältnismässig spät eingesetzt worden sind: Chanukka und Purim. Aus diesem Grunde sind sie eigentlich Werkeltage geblieben, an denen nur ein Festgottesdienst stattfindet. Und da im Judentum die Begrifte Festtag und strenge Feier identisch sind, so konnten sich die beiden genannten Feste nicht in ihrem vollen Werte behaupten. Sie sind Fest-, aber keine Feiertage. Das Chanukkafest ist eines der heiligsten und erhabensten im Judentum; im gewissen Sinne steht es in einer Reihe mit der Passahfeier, da es ebenialls einer geschichtlichen Erinnerung von grosser nationaler Bedeutung gewidmet ist. Bedeutet das Passahfest die Feier der Erlösung aus materieller Knechtschaft, so erinnert das Chanukkafest an die ruhmreichen Tage der geistigen Befreiung. Gewiss befand sich in der Zeit der Makkabäerkämpfe ein grosser Teil der Judenheit auf nichtpalästinensischem Boden; man kann daher nicht behaupten, dass es sich damals um die Fortdauer des jüdischen Volkes handelte, da diese auch bei dem Unterliegen der todesmutigen Schar gesichert schien. Aber die nationale Eigenart Israels stand dazumal auf dem Spiele. Der Sieg des Volkes unter der Führung der Hasmonäerfamilie bedeutet daher einen Wendepunkt nicht nur in der Geschichte des jüdischen Stammes, sondern auch in der der ganzen Kulturmenschheit. Denn ohne das Judentum, dessen Existenz auf dem Spiele stand, hätte die Kulturentwickelung gewiss eine andere Form angenommen.