Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Hiob und seine Freunde [Illustration]
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 901 - 902 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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vo\ 902 Lecomte-Dunony. Hiob und seine Freunde. DIE BEDEUTUNG DES MAKKABAEISCHEN FREIHEITSKAMPFES- Von Mathias Ach er. Soll ich die Wahrheit sagen, so bin ich kein Freund jährlich wiederkehrender Gedenktage. Ich glaube, dass durch jeden solchen Tag eine junge Lebenskraft geschwächt und ein neuer unfruchtbarer Schemen in die Welt gesetzt wird. Darum kann ich mich z. B. auch für die Arbeiter- Feier des 1. Mai nicht recht erwärmen, wiewohl mir ihr Ursprung und ihr Inhalt so sympathisch sind, und obgleich sie kaum erst den Mutterschooss heroischer Kämpfe verlassen hat. Und nun erst eine Feier, die, Jahrtausende alt geworden ist.. . Mit diesem Vorbehalte folge ich gerne der Aufforderung, etwas über die Bedeutung der makkabäischen Erhebung zusagen. Denn wahrlich,, es ist ein dankbarer Stoff, fesselnd, erwärmend, bis zu einem gewissen Grade ermutigend, und alles dies um so mehr, je weiter man von der Oberfläche der Ereignisse in die tieferen Zusammenhänge ihrer Ursachen und Nachwirkungen dringt. Erst, wer den Lebenslauf des hebräischen Volkes bis zu den' Makkabäern und nach diesen bis zur Vernichtung "des jüdischen Staatswesens durch die Kömer begreift, kann auch die makkabäische Freiheitsbewegung verstehen. In den ersten Zeiten ihres Aufenthaltes auf palästinensischem Boden zeigen die Hebräer im ganzen dasselbe Gepräge, .wie die anderen syrischen Stämme. Aus dem Buche der Richter gewinnt man das Bild eines urwüchsig rauhen und rohen, genussfrohen und gewaltthätigen Volkes. Doch, bei genauerem Hinsehen lässt sich schon damals eine ganz leise Abweichung konstatieren. Das Grelle ist um einen Schatten matter, das Wilde um einen Strich milder. Und was die Hauptsache ist, immer und immer wieder trifft man einzelne Gestalten von einer ganz ausnahmsweisen Gesinnungs- und Empfindungsart: Merkwürdige Neuerer, die ein Leben bloss um des Lebens willen verschmähen und nach dem Sinn des Lebens fragen, die auch gleich eine Antwort auf diese Frage haben: die einheitliche allgemeine Selbstzucht, den einig-einzigen Gott. Das Volk geht anscheinend nicht den Weg dieser Männer. Doch allmählich stellt sich eine gewisse Uebereinstimmung heraus. Sie verrät sich zunächst in jener starken Beunruhigung, die das Volk nach einem Anwalt seiner sich empörenden Lebenstriebe, nach einem König rufen lässt. Die Monarchie wird aufgerichtet. Aber die Könige und die in ihrer erblichen Würde mit ihnen gleichstrebenden Priester nützen nichts. Der schicksalsvolle Keim entwickelt sich weiter. Im Reiche Israel, wo das Königtum in offenen Kampf gegen das neue Lebenssystem tritt, wird i