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Ost und West · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. Seite 865 - 866

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Rezension. Schacht, Hjalmar
Date
1901-11-01
Page
Seite 865 - 866 (sequence 2)
Language
German
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865 hat den Zusammenhang mit den Handwerken niemals besessen, der notwendig ist in einer Zeit, wo der Handel aus dem Gewerbe heraus entsteht. Dr. Hjalmar Schacht, (Preuss. Jahrb., Februar 1901.) * Die Schicksale der Juden gehören zu den ausserordentlichen der Weltgeschichte; solche wachsen aber nur aus ausserordentlichen Motiven. Die grössten Interessen, die grossartigsten Leidenschaften boten den Stoff zu dem Drama ihrer Geschichte; wie die Kampfe, die Leiden, die Erfahrungen der jüdischen Nation unvergleichliche sind, so auch ihre Standhaftigkeit, ihre Treue für nationales Gesetz, ihre Begeisterung für Glauben und Gedanken; wie sie in der Zerstreuung über den ganzen Erdboden an sich selber eine statisti-che Weltkarte bilden, auf der sich die Farben des Klimas und der Zonen abzeichnen, so hat auch die Weltgeschichte in der bunten Fülle ihrer geistigen Produktion keine Aeusserung, an der sich die elastische, unverwüstliche Thätigkeit der Juden nicht beteiligt hätte, und wie die Liebe, der Enthusiasmus, den sie für ihre Güter besassen, unerschöpflich, war auch der Hass, der Fanatismus, das Vorurteil gegen sie unsäglich. Ruhe und Gleichgültigkeit war seit 2000 Jahren niemals der Himmel, unter dem sie wohnten; die Welt, die ihnen gegenüberstand, war in Lagern für oder gegen sie gespalten; ihre Religion war ein Quell menschlicher Liebe und humaner Erbauung, aber die Humanität und die Liebe ist ihnen bis auf diesen Tag durch sonderbare Verhältnisse nicht aus dem Vollen zu teil geworden. — Ungewöhnlich wie die Geschichte der Juden ist die Schwierigkeit ihrer Bearbeitung; in allen Ländern, allen Büchern sprudeln ihre Quellen, ihr Geschichtsschreiber wandelt H rastlos über den Erdkreis, H und tief muss er graben, be- ■ vor er findet, was er sucht. II J. S.Ersch und J. G. Gruber: H Allgemeine Encyklopädie |H der Wissenschaften und Künste. |H 27. Teil. Leipzig, Brockliaus. |H I ■ Die Juden sind und!■ bleiben das merkwürdigste ■ Volk, und wenn man sich ■ auf die Symbolik einer Vor- ■ sehung' einlassen will, darf H man wohl „Das aus- ■ erwählte Volk Gottes4 H nennen. Schon dass sich H fast zweitausend Jahre lang H trotz der schwersten und JH blutigsten Verfolgungen, die H :Sie von Heiden, Persern, Govaert Flhick. 866 Muhammedanern und Christen zu erdulden hatten, als ein Volk und bis zum heutigen Tag ihrem ursprünglichen geistigen Charaktertreue nicht nur erhalten haben, sondern sich auch fort und fort ausbreiten und in günstigerem Verhältnis als irgend ein anderes Volk vermehren und zwar unter jedem Klima, lässt sie als eine der interessantesten Aufgaben für eine ernste und sinnige Betrachtung der Geschichte erscheinen. Sie sind das älteste Volk, das als Träger des reinen Monotheismus dasteht und eben wegen der Reinheit des Gottesglaubens das Sittengesetz und seine Bethätigung im Leben als eigentliche wahre Darlegung des religiösen Glaubens hingestellt und festgehalten hat. Ganz Europa hat sein Mittelalter gehabt, eine Zeit der Rohheit, des geistigen und sittlichen Verfalls, wie es trauriger nicht gedacht werden kann, nur die Juden machen davon eine Ausnahme. Trotz Zerstreuung und Unterdrückung, die ihnen oft die einfachsten Menschenrechte, ja selbst die Berechtigung zum Leben raubte, haben sie sich bis zum Ende des Mittelalters ununterbrochen in ihrem geistigen Leben fortentwickelt und den übrigen Völkern die Grundlagen der Sittlichkeit des geistigen Lebens bewahrt und überliefert. Wie geistig edel angelegte Naturen strauchelten sie wohl zuweilen, wenn glückliche Augenblicke ihnen das Leben zu leicht machten, aber jede Widerwärtigkeit, jedes Elend, das ihnen nur halbwegs menschliche Existenz Hess, hat nur den Erfolg gehabt, sie zu veredeln, sie zu höherer geistiger und sittlicher Anstrengung zu beleben. Dr. M. J. Schleiden: Die Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften iai Mittelalter. 4. Aufl. Leipzig, Baumgaertner 1879. „i^,, ~iß& Verstoss ung Hagars. Miscellen.

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