Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- [Ueber den ewigen Juden...]
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 863 - 864 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2583875-2583876-2583888--01056-2584745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
863 Miscellen. 864 Roczaik Zydowski — das Lemberger „Jüdische Jahrbuch", erscheint in diesen Tagen in wesentlich schönerer Ausstattung als im Vorjahre; in grösserem Formate und geschmückt mit zahlreichen Illustrationen. Die Beiträge stammen von den besten Schriftstellern des nationalen Judentums, wie Nossig, Donath, Feiwel, Buber, Stand, Ehrenpreis, Zlocisti u. a. Die dreifarbige Umschlagszeichnung ist yon Lilien, welcher zusammen mit Wachtel für die künstlerische Ausstattung des Ganzen gesorgt hat. Der 'Herausgeber, ein junger Lemberger Kaufmann Namens Silbersiein, ist zu dem schönen Unternehmen zu beglückwünschen. Er hat keine Mühe und keine Kosten gescheut, um sein Jüdisches Jahrbuch, das da in Galizien in polnischer Sprache erscheint, künstlerisch und litterarisch so zusammenzustellen, dass es alle bisher existierenden jüdischen Jahrbücher und Kalender in dieser Beziehung weit überragt. DasEx-libris Simonson, das wir in diesem Hefte bringen, ist uns von Rocznik Zydowski zur Verfügung gestellt worden. gemacht. Das jüdische Volk ist nirgendsfest ansässig; es bleibt überall unter Zelten; es geht und kommt unaufhörlich-wie die Wogen des Oceans, und wie er hat es wie eine Schaumblase auf der Oberfläche des Völkermeeres, wie ein vom Strome der Civilisation fortgerissener Strohhalm schon vielmals die Rundreise um die Erde gemacht." „Der ewige Jude hat beständig fünf Sous in sejnerTasche. Durch die Erpressungen des feudalen Adels und die Konfiskationen der Könige unaufhörlich zu Grunde gerichtet, kam das jüdische Volk wie eine Korkeiche, die aus der Tiefe des Wassers zu dessen Oberfläche j**-- ämm W f\'.'M^ y ' W f w]} PS!jß '' V*!* >ßiS Ueber den ewigen Juden (— den der christlichen Auffassung) Claude Tillier's prächtigem Buche: „Mein Onkel Benjamin" folgende Stelle: „Der ewige Jude ist das Bild des jüdischen Volkes, von irgend einem unbekannten Dichter unter dem Volke auf die Mauern einer Hütte gezeichnet. Dieser Mythus ist so treffend, dass man blind sein müsste, wollte man ihn nicht erkennen." „Der ewige Jude hat kein Dach, keinen Herd, keinen rechtlichen und politischen Wohnsitz: das jüdische Volk hat kein Vaterland." ^Der ewige Jude ist gezwungen, ohne anzuhalten, ohne Atem zu schöpfen, rastlos zu wandern, was für ihn in seinen Reiterstiefeln sehr ermüdend sein muss. Siebenmai hat er schon die Rundreise um die Erde Adrian van der Werff. Die Verstossung Hagars. emporsteigt, immer wieder zu einer glücklichen Lage zurück. Sein Wohlstand brächte es immer wieder rückwärts.'4 „Der ewige Jude kann nur fünf Sous auf einmal ausgeben. Gezwungen seinen Reichtum zu verbergen, ist das jüdische Volk knauserig und sparsam geworden : es giebt wenig aus." „Die Strafe des ewigen Juden wird ewig dauern. Das jüdische Volk kann sich ebensowenig zu einem nationalen Körper zusammenraffen wie sich die Asche der vom Blitze . getroffenen Eiche wieder zu Bäumen vereinigen kann: es ist bis zum Ablauf der Jahrhunderte über die Oberfläche der Erde zerstreut." In jener ersten Periode des mittelalterlichen Handelsverkehrs ruht der internationale Grosshandel noch völlig in den Händen des Fremdkaufmanns, Syrer, Araber, Friesen; — vor allem aber die Juden sind die Grosskaufleute seiner Epoche ..... Um die Wende des 12. Jahrhunderts verschwindet der Fremdkaufmann, es entstehen die grossen Handelsgesellschaften, welche nun den Handel fest organisieren. Der Jude insbesondere wird aus dem Warenhandel ganz verdrängt; ihm bleibt allein der Geldhandel. Er