Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Zum Thema: Assimilation
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 785 - 786 (sequence 2)
- Language
- German
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785 Miscellen. — Aphorismen. 786 und deren! Nachkömmlingen zu regen. Vorläufig ist diese Bewegung aber noch in sehr bescheidenen Grenzen geblieben. Welche Rolle hätte das Deutschtum in Nordamerika spielen können, wenn es von Anfang an sich seiner Kulturaufgabe bewusst gewesen wäre und seine Nationalität sich gewahrt hätte. Ein grosser Teil Amerikas könnte der deutschen Zunge gehören. Desto grössere Anerkennung müssen wir den Deutschen in Südamerika zollen. In Argentinien, in Brasilien, in Chile hat das Deutschtum, oft unter den schwierigsten Verhältnissen, seine Eigenart sich zu bewahren und seine Kultur zu verbreiten gewusst.-- Schopin. David kehrt als Sieger heim. Franz Gies ebrecht. APHORISMEN. „Die Semiten waren so mit ihrem leidenschaftlichen Gemüt, ihrem energischen Mut, ihrem hartnäckigen, zäh das Erworbene festhaltenden Willen, ihrem Glauben an ausschliessliche Berechtigung, ihrem harten Egoismus, ihrer scharfen Abstraktionskraft die Mauerbrecher für die höhere Kultur der abendländischen Menschheit; sie wurden in vielem die Lehrer der Indogermanen und wirken durch die Juden auch noch heute überall mehr oder weniger als ein Leben und Reibung erzeugendes, teils Fortschritt, teils Auflösung bringendes Element in den indogermanischen Staaten fort." Prof. G. Schmoller. Grundriss der allgem. Volkswirtschaftslehre, S. 151. * Bücher sind der Zeiger der Kultur. Ein Zeiger in jenem Zustande, wo er noch vage hin- und herschwankt zwischen einigen Teilstrichen, unter denen sich auch der befindet, bei dem er schliesslich zur Ruhe gelangen wird. Nicht ganz müssig mag es sein, diesen Schwingungen zu folgen, während andere sich damit abquälen, die Kultur zu definieren, zu ergrübein, was die Zeit, die grosse Masse, ein Stamm oder der eine Mensch für Einfluss auf sie genommen; zu ermitteln, wieviel Teile Wissenschaft und Technik, wieviel Kunst im Dekokt enthalten seien. Unstreitig wichtig sind diese Untersuchungen, aber rascher und befriedigender ist der monographische Weg. Diese Flut von bedrucktem Papier muss doch einiges Kulturgold mit sich führen. Auch bei nachlässigem Baggern und Sieben, muss uns hier leichter reines Gold in die Hände gelangen als im mühsamen Bergwerk oder im noch mühsameren Schmelzofen. Zumindest ist dieser Weg kein verfehlter, will man einer oder der anderen Kulturfrage rasch auf den Grund kommen. # Ein jüdischer Vorwurf ist oft schon Tendenz. Und Tendenz ist wie ein Mühlstein um den schlanken Hals der Kunst. # Eines Dichters Seele ist nie ein Ding für sich. Sie ist bloss die Frucht, die feine Frucht eines uralten Baumes, der Kultur seines Volkes, deren Geistes einen Hauch man auch im fernsten Liede verspüren wird, wenn auch noch so unmerklich. Quaerens.