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Ost und West · 1901-10-01 · Heft 10 (Oktober 1901) · p. Seite 783 - 784

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 10 (Oktober 1901)
Article
Mittelalterliches aus Rumänien
Date
1901-10-01
Page
Seite 783 - 784 (sequence 2)
Language
German
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783 Miscellen. 7S4 . v -*>-j AWf>:0^' /v* : - ■■-Ä . " ' ■* l-'v''; * - f -'v. "V - %. aus einer Reihe furchtbarer Verwünschungen besteht, die der Schwörende über sich und seine ganze Familie für den Fall ausspricht, dass er nicht die reine Wahrheit sagen sollte. Wie leicht begreiflich, haben sowohl die funeralen Vorbereitungen der Eidesleistung als auch das Zeremoniell und die Selbstverfluchungen des Schwures den Schwörenden und dessen gesamte Verwandtschaft in die grösste Aufregung versetzt, und es werden auch zahlreiche Fälle erwähnt, in welchen ein vor den rumänischen Gerichten klagbar gewordener Israelit, dem von der __ Geg enpartei mit Zustimmung des betreffenden Richters zur Bekräftigung seiner Klage die Ablegung eines Eides „more judaico" zugeschoben worden war, lieber auf die .Geltendmachung seines guten Rechtes verzichtete, als dass er sich der oben beschriebenen schauerlichen Prozedur unterzogen hätte. Zur Steuer der Wahrheit muss allerdings! bemerkt werden, dass die Fälle, in welchen ein Schwur „more judaico" verlangt und vom kompetenten Richter auch zugelassen wurde, sehr selten geworden sind. Dass es aber doch noch Richter giebt, die eine solche erniedrigende Form der Eidesleistung für zulässig erachten, beweist der oben erwähnte Fall, welcher nun infolge der Weigerung des Rabbiners Dr. Nacht, bei der einem Glaubensgenossen vom Richter aulgetragenen Eidesleistung nach angeblich, israelitischem Brauche zu funktionieren, dem Justizministerium zur Entscheidung vorliegt. Dr. Nacht hat seine Weigerung mit der Erklärung begründet, dass er als Vertreter der mosaischen Religion unmöglich einer dem Geiste der letzteren zuwiderlaufenden und ebenso inhumanen als persönlich erniedrigenden Ceremonie beiwohnen könne. Wie man glaubt, wird der Justizmicister die nötigen Schritte zur endgültigen Beseitigung dieses traurigen Ueberbleibsels mittelalterlicher Gerichtsprozedur aus der Civilprozesspflege Rumäniens thun. Arv Scheffer- Ruth und Naomi. Zum Thema: Assimilation. Der deutsche Volkscharakter neigt zur Preisgabe der Nationalität, der englische dagegen zu ihrer Erhaltung und Förderung. So wichtig auch die wirtschaftliche Seite dieser eigenartigen Erscheinung aus dem Gebiete der Völkerpsychologie ist, so müssen wir uns doch ihre nähere Beleuchtung hier versagen; unser Interesse konzentriert sich auf ihre kulturelle Bedeutung. Ohne Frage ist es für ein Kulturvolk ein beschämendes Gefühl, wenn es sich sagen muss, dass _ seine Kultur sich derjenigen anderer Nationen nicht gewachsen zeigt undin den meisten Fällen unterliegt. Das deutsche Volk befindet sich in dieser traurigen Lage; im Hinblick auf das völlige Aufgehen seiner ausgewanderten Volksgenossen in fremden Nationalitäten ist das Wort vom „Kulturdünger" geprägt worden. Dabei ist es doch keine Frage, dass wir Deutsche auf geistigem Gebiete in der allerersten Reihe der Kulturvölker mar schieren und eine Natio aallitt eratur unser eigen nennen, wie kein anderes Volk der Erde. Aber der Gang unserer politischen Entwicklung hat es so mit sich gebracht, dass in früheren Zeiten den deutschen Stämmen jenes Zusammengehörigkeitsgefühl fehlte, das gewissermassen die Grundlage für eine von nationalen Gesi chtsp unkten aus geleitete Aus Wanderungspolitik bildet. Erst seit der Einigung Deutschlands, seit der Begründung des Deutschen Reiches, macht sich eine langsame, aber stetige Stärkung des deutschen Nationalbewusstseins bemerkbar, die uns, wenigstens für eine, wenn auch noch so entfernte Zukunft, hoffen lässt, dass die deutsche Kultur sich allmählich den Platz, der ihr in der Welt gebührt, erobern wird. In dem bevorstehenden grossen Kampf der Rassen und Kulturen wird das Deutschtum vor allem schon deshalb einen schweren Stand haben, weil es zu wenig politische und kulturelle Stützpunkte auf der Erde besitzt. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika beginnt sich allerdings seit kurzem ein gewisses Stammesbewusstsein unter den zugewanderten Deutschen

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