Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Die Darstellung der Opferung Isaaks in der bildenden Kunst
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 755 - 756 (sequence 3)
- Language
- German
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755 A. Palmoni: Die Darstellung der Opferung- Isaaks in der bildenden Kunst. 756 Zeiten ist der Votgang in dieser erweiterten oder veränderten Auffassung dargestellt worden, unter andern noch von dem jüngeren Teniers in einem anziehenden Gemälde von 1653 zu Wien. Die Auflassung in allen diesen Darstellungen ist eine streng religiöse, indem sie die Beziehung zu Gott ausschliesslich betont und in einer rituellen Handlung zum Ausdruck bringt. Sie wird aber nicht als -ein erschöpfender Ausdruck der Empfindungen gelten können, welche in dem Augenblicke der Rettung die Herzeh der beiden erfüllen mussten. Und . doch liegen diese Empfindungen menschlich so nahe! Und doch ist 'dieser ■ Augenblick für die künstlerische "Wiedergabe so dankbar! Schon Flavius Josephus giebt für die Auffassung desselben einen entscheidenden Fingerzeig, indem er in seinen „Altertümern" erzählt, dass, nachdem Gott seine Verheissung dem Abraham verkündigt hatte, Vater und Sohn, die „sich wider ihr Verhoffen einander zurückgegeben sahen und der Verheissung solcher Güter gewürdigt worden waren, einander in die Arme fielen". Dann erst vollbrachten sie das Opfer des Widders. Diese natürliche und menschlich so schöne Auffassung ist jedoch äusserst selten künstlerisch gestaltet worden. Das bedeutendste "Werk, in welchem dies geschehen, mag das grosse Gemälde von Jan Lievensz, aus der -Zeit—um 1640, im Museum--m Braun schweig sein. Vater und Sohn knieen, sich umarmend, neben dem Altar und schauen "beglückt und dankbar zum Himmel empor, doch scheint auf ihren Angesichtern noch die eben überstandene Seelenpein nachzuzittern. Das Opfer ist hier als eben vollzogen gedacht. Dieses auch ausgezeichnet gemalte Bild ist schon bald nach seinem Entstehen vielfach gepriesen und gerühmt worden, und es hat auch in einem Gedichte von Philipp Angels ein Denkmal gefunden; (Das Bild von Lievensz s. Seite 780.) cii^.Vc^sSir^Hr^jfi^:^^:^^ „Dein Volk ist mein Volk*" Ruth I, 16. 17. Das war der grosse Sabbatb meines Lebens, Hn dem ich staunend sab das beilege Land, Hls ich nach Jahren unerfüllten Strebens Durch dich den (Heg zu deinem Tolhe fand» 80 könnt' ich ganz dein Volk und dich verstehen Und deines Volkes treu'ste /Cocbter sein. QIo du nun hingehst, da will ich auch geben, Und wo du bleibst, da ist die Beimat meim Mit deinem Volk verband ich mein Geschick, Hus seiner Sehnsucht sang ich meine Lieder, Und was dein Volk bewegt an Schmerz und Glück, Klang früblingsstark in meiner Seele wieder. dir beten, du und ich, zu einem Gott, 6s ruht sein Huge segnend auf uns beiden ♦ ♦ ♦ Und nichts auf 6rden kann, als nur der X^od, Dich und dein Volh von meiner Liebe scheiden. Berlin. Dolorosa. (Aus der „Welt".)