Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 9 (September 1901)
- Article
- Judith
- Date
- 1901-09-01
- Page
- Seite 697 - 698 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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697 Luise von Ploennies: Judith. 698 „Oeffnet dieThore weit, Mit mir war Gott, Singt seine Herrlichkeit, Ehre sei Gott! Lobt ihn mit Paukenklang, Singt einen neuen Sang. Vor dem Allmächtigen Sinken die Prächtigen. Krieger, noch starker Mann Hat dieses Werk gethan. Judith auf sein' Befehl Rettete Israel. Wem Du giebst Kraft und Mut, Der ist's, der Thaten thut. Herr Gott, vor Deinem Wort Floh der Assyrer fort. Berge erzittern Dir, Felsen zersplittern Dir, Opfer sind nichtig bloss, Gottesfurcht nur ist gross. Lobt ihn mit Paukenklang, Singt einen neuen Sang, Mich schirmte sein Befehl, Rein grüss ich Israel." >:l^-k ' v, /' A - - ' < ^r ■ ■ 1 £■ "J~^ ■4*r:<: v Jt'l V^** , * "J#Z - y #\ X V^p 1 „ x ff k$0'.' 'W 5 * ■ -^Latiffipr - /r-5^ : ~± J^ r\ *-Mu^.J'Hf^ - A »' , . f;A ' y fW- S -'-'S' -ff A1 r~f £ .. n Leon Glaize. Judith's Rückkehr. VIER TESTAMENTE.*) i. Von J. L. Perez (Warschau.) IL Nach dem Tode des Rebb Elieser Hajkel fand man unter seinem Kopfkissen einen hebräisch geschriebenen Zettel folgenden Inhalts: „Ich wünsche, dass meine Hinterbliebenen das Holzgeschäft gemeinschaftlich weiterführen. Ferner sollen sie nach meinem Tode eine Einfassungsmauer um den Friedhof errichten und ein neues Dach auf der Synagoge herstellen lassen. Alle meine Bücher soll bekommen mein Sohn Benjamin, der jetzt verlobt ist, — er soll leben und gesund sein — da meine anderen Söhne und Schwiegersöhne — lang sollen sie leben — die ihnen zukömmenden Bücher am Tage ihrer Hochzeit erhalten haben. Meine Frau — lang soll sie leben — bitte ich, in derselben Wohnung zu verbleiben und eine arme Waise zu sich ins Haus zu nehmen. Sie soll in Zukunft allein für sich „Kiddusch" und „Hawdalah" machen. Lebenslänglich soll sie ihren Teil des Einkommens erhalten, geradeso wie meine übrigen Erben. aus dem Nenhebräischen übersetzt von Frl. A. Briimann. Ferner ..." Das übrige war unlesbar. Rebb Benjamin, der Sohn des Rebb Elieser Hajkel, hinterliess nach seinem Hinscheiden—ebenfalls hebräisch abgefasst — folgendes Schreiben: „Nun ist meine Stunde gekommen, die Stunde der grossen Wiedervereinigung; und bald muss ich die schöne, hohe Gabe, welche mir als Pfand verliehen worden, ihrem Eigentümer und Gebieter zurückgeben. Es zittert jeder Sterbliche vor dem Allschöpfer, heisst es. Und doch trete ich den grossen Weg nicht in Angst an, sondern mit ruhiger, fester Zuversicht in Gottes Gnade und Erbarmen. Denn der Allvater ist gross und voller Güte. Zwar weiss ich, dass die mir anvertraute Seele verkrüppelt worden ist infolge zahlreicher materieller Sorgen und vieler anderer Schicksalsschläge ..." (Hier folgen Ideen über die menschliche Seele wie die von ihm fixierten moralischen Grundsätze, die wir fortlassen.) „Meine Beine werden nun starr", heisst es sodann weiter, „und die Gedanken verwirren sich". Gestern ging etwas ganz Wunderbares in