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Ost und West · 1901-09-01 · Heft 9 (September 1901) · p. Seite 691 - 692

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 9 (September 1901)
Article
Die Mosesgruppe am Grabe des Kaisers und der Kaiserin Friedrich
Date
1901-09-01
Page
Seite 691 - 692 (sequence 2)
Language
German
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691 C. V.: Moses am Grabe des Kaisers und der Kaiserin Friedrich. 692 entblössten Arme sind ausgebreitet erhoben. Die linke Hand umfasst einen kurzen Stab, den Stab Gottes. Die Hingebung im inbrünstigsten Gebete, das glühende Erflehen eines gnadenreichen sichtbaren Eingreifens der göttlichen Macht in den irdischen Kampf, erfüllt sich für die Anschauung in dieser Bewegung des Oberkörpers in ergreifender Darstellung; das nach oben gekehrte Haupt strahlt in seinen begeisterten Gesichtszügen von dem Geiste des Betenden, von dem gewaltigen Seelenschwunge zu Gott, welchem sich Moses in diesem Moment völlig hingegeben fühlt. Auge und Lippe bebt und atmet des himmlischen Dranges voll, mit welchem Moses im höheren Vertrauen zum Heile seines ' Volkes in das Auge des Allerhöchsten schaut. Die strahlen artige Aureole ist auf seinem Haupte versinnbildlicht, wallendes langes Haar umkränzt das leuchtende Antlitz in den lebendigsten Formen. Die Schulter der Gestalt schleierartig drapierend, fällt vom Haupte der Mantel herab, der sich an der linken Hüfte nach vom durchzieht und in schönem Faltenwurf hingleitend das Untergewand und die mit Sandalen bekleideten Füsse sichtbar werden lässt. Zur linken Seite Mosis' am Hügel, auf dem linken Knie ruhend, steht der Priester Aaron. Seine Rechte dient dem Arme des Bruders zur sicheren Stütze; der andere Arm Aaron's, des Priesters geistige Spannung durch eine, psychologische Bewegung sehr fein nüancierend, streift den Körper des Betenden. Der Kopf Aarons erscheint im Profil, geneigt, seinem Ausdrucke nach im Anschauen des Betenden versunken. Die hohe Stirn ist von einem Faltenpaar durchzogen, der Scheitel vom Haar entblösst. Die Anlage dieser Figur ist von ausserordentlicher plastischer Wirkung durch ihre Naturwahrheit, durch die feine Charakteristik des am Gebete hängenden Priesters. Von dem erhabenen Einflüsse des Gebetes durchdrungen, tragen die Züge Aaron's den Ausdruck 4er Sorge um das Gelingen. Das geschichtliche Interesse ist durch die Haltung des Priesters, weiche auf den Zweck der Darstellung hinweist, wieder lebhaft hervorgerufen. Die dritte Figur zur rechten Seite ist die des Chur, im Untergewand und Mantel, ausserdem mit einem Panzerhemd bekleidet. Die Erscheinung dieser Gestalt vervollständigt den historischen Eindruck. Chur, im prüfenden Ausschauen dem Kampfgewühl zugewendet, hat sein Haupt von dem Betenden abgerichtet und blickt über den rechten Arm, mit welchem er den erhobenen des Moses stützt, in das Thal hinab. Er dient in der geistigen Harmonie der Gruppe, seinen persönlichen Eigenschaften nach, als das handelnde Prinzip, neben welchem sich das moralische und seelische in dem Priester und im Gipfelpunkte durch den Propheten rhythmisch szenieren. Chur ist durch männliche Kraft charakterisiert, sein herrlicher muskulöser Brustbau hebt sich hervor, er stützt das linke Knie gegen den Fels, der rechte Fuss steht im Schritte zurück und durch dieses Motiv ist seine Gestalt in einer markierenden Bewegung erhalten; hierzu fügt sich die lebendige Draperie des Mantels, welcher vom Winde bewegt ist. Mit dem linken Arme unter den Mantel Moses' greifend, hat er den Betenden, ihn umschlingend, in seinen Schutz genommen. Die Gestalten des Aaron und des Chur sind die Träger eines begeisterten Propheten, beide stehen mit den Füssen im irdischen Kampfe der Welt, aus welcher der Wehruf erschallt, den Moses im heiligsten Eifer, als der Held eines religiösen Epos, gleichsam als Gebet in sich verkörpert, vor dem Allerhöchsten erhebt. In der Gesamtmasse der Gruppe überragt die Gestalt Mosis, der künstlerischen Abstufung gemäss, die beiden anderen Glieder. Jede der Gestalten trägt im Geiste der Auffassung das individuelle Gepräge an sich. Die schwierige Kreuzung der sechs Arme über dem Auge des Beschauers ist durch ihre Gliederung so glücklich komponiert, dass die Wirkung derselben an sich ein imposantes, architektonisches Lineament bildet. Wenngleich in der Figürlichkeit des Moses bei einem mächtigeren Brustbau die Gestalt äusserlich noch an Majestät gewinnen dürfte, so waltet die Meisterhand so sichtbar in allen Situationen, Bewegungen und Formen, dass dem Auge des Beschauers die technische Schwierigkeiten ganz entrückt werden, indem Auge und Gefühl das vorschwebende Natürliche, Schöne und Empfundene als selbstverständlich in sich aufnehmen. W

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